Innere Werte

Stella Sidney hat Martin Jost gemalt

Stella Sidney „Portrait“ [Martin Josts] Berlin 2007 Spitzer japanischer Kuli und Fineliner auf Kopierpapier Staatliche Sammlung Süddeutsch Sozialisierter Polnisch-Preußischer Maler

Berlin. (mjeu/majo)•• Das Kunstwerk des Monats ist im April ein neues Werk der Künstlerin Stella Sidney.

Sidney hat sich in den letzten Jahren zur unbestritten maßgeblichsten Künstlerin der Transpostmoderne gemausert. Ihre Bilder versagen niemals, bei jedem noch so voreingenommenen oder unbedarften Betrachter tiefgründige Einsichten hervorzukitzeln und das Gefühl auszulösen, genau zwischen den Extremen »Verstandenwerden« und »Den Boden unter den Füßen verlieren« – zwischen allen Stühlen – zu sitzen.

Meist malt sie Porträts. Die Charakteristika der Porträtierten unverkennbar herauszuarbeiten gelingt ihr gewöhnlich mit wenigen wohl platzierten Strichen, die den Ein-Linien-Zeichnungen Picassos in puncto Ausdrucksmittelökonomie in nichts nachstehen. Nach dem Porträt konzentriert sie sich voll auf das Universum darum herum. Ihre Bilder zeigen uns, dass ein Mensch nicht an seiner Haut endet, sondern in organischen und metaphysischen Ranken stets mit dem Universum verwoben bleibt. Sidneys Kringel sind vom Jugendstil beeinflusst, aber sofort als ihre persönliche Signatur erkennbar. Sie ist die Wegbereiterin der neofiligranen Bewegung, die sich intermedial in den letzten Jahren in deutliche Opposition zur neorustikalen Musik begeben hat.

Sidney studierte an renommierten Kunstinstituten in Freiburg und Berlin. Vom Leben hatte sie aber vorher schon in Warschau, Berlin und Frankfurt am Main alles Wichtige gelernt: Dass niemand verdient, mit Klischees abgespeist zu werden; dass die ganze Welt einen nie so sehr in die Irre führt, wie der Einzelne sich selbst; und dass eben doch alle Dinge so sind, wie sie scheinen und es letztendlich nur die Sprache ist, die das Sichtbare verfälscht.

Aus dieser Überzeugung resultiert auch Sidneys freiwilliges Schweigegelübde, das sie täglich nur für drei Stunden bricht. Kollegen, Kunstkritiker und Geschäftspartner beschreiben sie übereinstimmend als exzentrisch aber charmant und eigentlich ganz heiß. Sie lebt zurückgezogen in Kreuzberger Parks. Der einzige Luxus, den sie sich gönnt, sagt man, ist ein wöchentliches Bad in einer Wanne voll Espresso.

Das veröffentlichte Bild war ein Auftragswerk. Die Kunstwelt ist gespannt auf Sydneys nächste große Ausstellung, für die sie eine neue Serie von Gemälden vorbereitet, die wohl erstmals einen politischen Anspruch verfolgt. Arbeitstitel ist »Quadratwurzel oder Tod« (polnisch »Wrzcle vrtsktrata oy kawutsch«).

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Kunst-Stück des Monats

Eine Antwort zu “Innere Werte

  1. Thorsten

    Nett.

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