Martin kuckt Trickfilme

Martin Josts Kulturkonsum (5)

Freiburg. (mjeu/majo)• Ich bin diese Woche in die Stadt gegangen um mir ein Buch zu kaufen, das ich für die Uni brauche. Ich kam ohne es zurück, weil es nirgendwo vorrätig war. Stattdessen hatte ich sieben andere Bücher dabei sowie eine DVD, die ich nie zu kaufen geplant hatte.

Die DVD ist »Persepolis«. Die Bücher heißen: »Mrs Dalloway«, »House of Mirth«, »The Complete MAUS«, »Slaughterhouse-Five«, »Die neue Moral der Netzwerkkinder«, »Nancy Drew« und »A Graphic Guide to Quantum Theory«.

Ich mag die Künstler, die sich in Graphic Novels oder Animationsfilmen erlebte Zeitgeschichte vom Leib schreiben – meistens traumatische Zeitgeschichte. Ein sehr guter Film aus diesem Genre ist beispielsweise »Waltz with Bashir« über einen Filmemacher, der sich auf die Suche nach seinen Erinnerungen an das Massaker im Libanon-Krieg macht, das er als jugendlicher Soldat erlebte. Das Thema ist wie gemacht für Animation, denn dem Autor des Dokumentarfilms stehen keine Filmaufnahmen zur Verfügung, sondern seine ganze Suche dreht sich um die Traumbilder, die in seinem Kopf aufgetaucht sind. Echtes fotografiertes Bildmaterial bricht erst ganz am Schluss in den Film ein und schafft die Verbindung zwischen den verschütteten Alpträumen des Autors und dem Leid der realen Opfer des Massakers.

Der Stil der Animation ist sehr eigen und sehr atemlos und sehr charakteristisch. Wenn man sich den Film übermüdet in einem überheizten Kino zu Gemüte führt, wirken die Alptraumbilder noch mal einen Zacken surrealer.

Eine ähnliche Rahmenhandlung wie »Waltz with Bashir« hat Kurt Vonneguts »Slaughterhouse-Five or, The Children’s Crusade«: Der Ich-Erzähler hat fest vor, ein Buch über die Bombardierung von Dresden zu schreiben, die er als sehr junger US-Soldat in Kriegsgefangenschaft erlebte. Er stellt – wie der Erzähler in »Waltz with Bashir« – fest, dass er nicht auf viele konkrete Erinnerungen zugreifen kann und spannt seine alten Freunde dafür ein, sich mit ihm zu erinnern. Die sind von der Bitte mehr oder weniger eingenommen.

Kurt Vonnegut ist extrem lustig. Hätte ich gewusst, mit wie viel Ironie er schreibt, hätte ich schon viel früher mal was von ihm gelesen. Aus irgendeinem Grund hatte ich mir unter seinen Büchern zähe unzugängliche selbstgefällige postmoderne Literaturexperimente vermutet.

«Persepolis» basiert auf Marjane Satrapis Graphic Novel über ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen an die letzte iranische Revolution und die folgende Kulturdiktatur.

Nicht auf eigenen Erlebnissen basiert Art Spiegelmanns zweiteilige Graphic Novel «Maus»; es handelt sich um die Lebenserinnerungen seines Vaters, der als polnischer Jude Auschwitz überlebte, bevor er in die USA emigrierte. In dem Buch aus den 70-ern sind die verfolgten europäischen Juden als Mäuse gezeichnet und Auschwitz heißt Mauschwitz. Katzen sind Nazis.

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