Das Feuer

Wenn das Feuer gelöscht ist, heißt das nicht, dass das Schlimmste schon vorbei wäre.

Freiburg. (mjeu/majo) Als ich mich heute früh kurz nach 2:00 Uhr von Freunden verabschiedete, mit denen ich in einem Pub war, ging ich um eine Ecke und sah ein Feuer. Es loderte wie eine riesige Fackel im Dachstuhl des Eckhauses Werderring/Erbprinzenstraße, das ist zwei Blocks von der alten UB entfernt. Ich blieb kurz stehen und sah zu, wie die Feuerwehr die Flammen schnell mit Wasser einschüchterte. Dass sich da die Wohnung der Freundin in Rauch auflöste, mit der zusammen ich gerade noch etwas trinken war und dass ich weniger als drei Stunden vorher in dieser selben Dachstuhlwohnung gesessen hatte, bevor wir weg gegangen waren, war mir zu diesem Zeitpunkt noch in keiner Faser bewusst.

Das Feuer aus der Ferne; im Vordergrund der Mensahügel. Die kleine Lichtquelle neben den Flammen gehört zu der Drehleiter, von der aus die Feuerwehr löschte.

Das Feuer aus der Ferne; im Vordergrund der Mensahügel. Die kleine Lichtquelle neben den Flammen gehört zu der Drehleiter, von der aus die Feuerwehr löschte.

Ich dachte heute Nacht: Das ist einen Block weg von dem Haus, in dem ich vorhin zu Besuch war. Das ist ein Haus direkt am Werderring, ganz sicher ist das ein Unigebäude und nachts leer. Auch ohne es schon besser zu wissen, hat mich der Anblick des Feuers nachdenklich gemacht. »Es ist ja riesig«, dachte ich und es loderte hell und fröhlich leuchtend mit einer Selbstverständlichkeit, als gehöre es in die Stadt. Offene Flammen sind so völlig verbannt von überall, wo nicht »Abenteuer« oder »Eilmeldung« drauf steht, dass es mich richtiggehend erschüttert hat, dass in unseren modernen Städten ein unkontrolliertes Feuer noch denkbar ist.

Flammen in einem, wie ich glaubte, leeren Funktionsgebäude, aber mitten in der Stadt – das ist gruselig genug. Aber seit ich weiß, dass eine Freundin alles in diesem Feuer verloren hat, was ihres war, ist die Katastrophe noch einen Schritt auf mich zu gekommen. Wie es mir ginge, wenn sich so ein Vieh durch die bare Substanz meiner Wohnung gefressen hätte, übersteigt meine Vorstellungskraft. Mein Computer wäre zerstört, auf dem alle meine E-Mails leben und alle Dokumente, die ich vor dem langsamen Papiertod bewahrt habe. Meine Erinnerungen wären weg, meine Möbel, mein Obdach. Meine Anziehsachen. Meine Fotos. Meine Bücher. Ihre Bücher sind weg. Ich habe kurz vorher noch zur Kenntnis genommen, wie viele Bücher sie hat und was für gute. Als ihre Bücher vielleicht schon brannten, saßen wir ein paar hundert Meter weiter und sie sagte mir, dass für sie sehr viele Bücher zu haben und gute Bücher zu haben ein Indiz für eine gute Persönlichkeit ist.

Auch wenn zum Glück niemand körperlichen Schaden bei dem Unfall davon getragen hat, könnte es nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein, zu sagen, aller entstandener Schaden sei Sachschaden.

• Die Badische Zeitung über das Feuer.

•• Fotos von Badische Zeitung Online.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 08 Drahtbildberichterstattung, Was geht in Freiburg?

Sag, was du denkst!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s