Martin liest eine Schillerdeutung

Friedrich Schiller hat in seiner Dissertation Sekundärliteraturbelege gefälscht. Wild, oder? In seiner zweiten Dissertation, die ihm schließlich den Titel Doktor der Medizin einbrachte und die von Möglichkeiten handelt, entzündliche von eitrigen Fiebern zu unterscheiden (»Tractatio de discrimine febrium inflammatoriarum et putridarum«), zitiert er sich selbst bzw. sein Theaterstück »Die Räuber«. Als Quelle für die Worte aus Karl Moors Mund gibt er »Life of Moor. Tragedy by Krake« an. Frech.

Peter-André Alts dünne Einführung »Friedrich Schiller« aus der Reihe Beck Wissen macht auf den ersten Blick den Eindruck, sie sei just business: Schillers Werke, Schillers Erbe, Schillers Deutung. Das Buch ist keine Biografie, sondern ist nach Schaffensphasen und Werken gegliedert – flicht aber dann doch biografische Begebenheitchen und Details ein, die sich in mancher menschelnderen Biografie gar nicht finden lassen.

Außerdem hat er die Werte umgepolt, die Schillers Leben kennzeichnen: In den meisten Büchern, die ich über ihn gelesen habe, liegt der Schwerpunkt auf Niedergeschlagenheit, Kampf und Krankheit. Peter-André Alt streicht heraus, bevor er auch auf die erfolgfreien Phasen in Schillers Leben eingeht, dass der Schriftsteller durch harte Arbeit sehr wohlhabend geworden und auf dem Gipfel des Erfolgs aus dem Leben geschieden ist.

Alt hat auch eine Kafka-Biografie geschrieben, habe ich gestern im Laden gesehen.

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