Joss Whedon über »Serenity«

Word from the Maker

Welche Audiokommentare lohnen sich?

Bewertung: ●●●◌◌ – Keine Zeitverschwendung.

(mjeu/majo) Der Science-Fiction-Action-Film »Serenity« hat mich nicht mitgenommen. Das Gute an »Serenity« in meinen Augen ist aber Summer Glau. Nirgendwo ist sie besser besetzt als in »Serenity« als sensible, introvertierte und immer merkwürdige Kampftanzmaschine River. Nirgendwo ist sie schöner gefilmt als in der letzten Szene von »Serenity«. In »The 4400« kommt sie als schizophrene Freundin von Weyoun irgendwie dumm weg und die schlimmste Rolle ist ihre Besetzung als Teenage Terminator in der Serie »The Sarah Connor Chronicles«. Abgesehen davon, dass sie nunmal kein Teenager-Gesicht mehr hat, sind ihre Bewegungen, die Selbstsicherheit nicht mehr nur anstreben müssen, sondern Bewusstsein für das eigene Wirken weit hinter sich gelassen haben, und ihr Habitus völlig sperrig und gegen den Strich zu ihrer Rolle.

Aber ich will ja nicht über Summer Glaus Serien schreiben und auch nicht über »Serenity«, sondern eine Rezension über Joss Whedons Audiokommentar zu seinem Film »Serenity«. Ich glaube nämlich, dass ich nicht der einzige bin, für den es ein Genuss ist, einen intelligenten Regisseur oder Autor über die Arbeit an seinem Film sprechen zu hören. Für irgendwen müssen diese ganzen Audiokommentare schließlich auf die DVDs gepackt werden. Das Traurige ist: Wir sind dann doch nicht so viele, dass man oft Gespräche über Audiokommentare führte oder dass man sich welche empfehlen kann, wie ein Professor von mir das manchmal tat. Drum ist meine Idee, in diesem Blog Rezensionen von Audiokommentaren zu sammeln, die ich gesehen habe und Empfehlungen abzugeben, wenn ich über einen interessanten stolpere.

Joss Whedon ist witzig. Der Erfinder von »Buffy – The Vampire Slayer« spricht in seinem Regie- und Autor-Audiokommentar natürlich über die wirtschaftlich erfolglose kurze TV-Serie »Firefly«, auf der der Kinofilm »Serenity« basiert.

Er spricht augenscheinlich ohne Skript und es gibt mindestens einen Schnitt im Audio. Aber er redet ohne lange Pausen, lässt sich durch die Szenenfolge führen und durch Bilder an Themen erinnern, die ihm auf dem Herzen liegen.

Einen großen Anteil haben seine Exkurse über die technische Crew, mit der er als Regisseur gearbeitet hat. Er spricht zum Beispiel über den Prozess des Set-Designs. Er teilt viel Lob mit seinen Mitarbeitern und hier besonders mit den Schauspielern, die viel Raum zum Improvisieren hatten, weil sie ihre Rollen ja schon einige Jahre kannten, und mit dem Director of Photography (DP) Jack Green, der unter anderem auch »Unforgiven« beleuchtet und gefilmt hat. So macht er am Beispiel des DP deutlich, wann dessen Arbeit sichtbar und wichtig wird. Und weil er als Regisseur selbst viele technische Details bestimmt, spricht er sogar über Felder, mit denen selbst Film Geeks selten vertraut sind, wie über seine Auswahl bestimmter Kameralinsen für bestimmte Zwecke. Wenn er den Regisseur-Hut auf hat, erklärt er auch seine Affinität für bis zu fünf Minuten lange Steadicam-Oners und wo er in den minutenlangen Einstellungen dann doch einen unsichtbaren Schnitt versteckt hat.

Aus der Sicht des Drehbuchautors spricht er über konkrete handwerkliche Fragen wie die Genre-Konventionen des Western, mit denen er in seinem Science-Fiction-Franchise spielt. Oder wie er versucht hat, einen besonders klischeearmen Bösewicht zu zeichnen.

Im weiter gefassten Rahmen redet er über seine Ethik; wie er die »Alliance« in der »Firefly«-Galaxie als Metapher für die Vereinigten Staaten sieht. Auch andere Ecken seines Franchise-Universums leuchtet er aus.

Whedon strahlt mit jedem Wort aus, wie er seine Welt und seine Charaktere und seine Schauspieler und jeden Aspekt des Filmemachens liebt. Er konnte sich zahllose Träume, die er für seine Serie hatte, erst mit einem Kino-Budget erfüllen und während er seinen Kollaborateuren immensen Freiraum für Kreativität und Kunst lässt, lässt er es sich nicht nehmen, für jedes Feld des Filmemachens eine Expertise zu entwickeln und eigene kreative Entscheidungen zu treffen. Er ist ein gutes Beispiel für den Spruch: „Die letzte Drehbuchfassung entsteht im Schneideraum.“

Whedon spricht gleichmäßig und entspannt, wie gesagt ohne Pause und ohne sich zu wiederholen. Sein Audiokommentar gibt in außergewöhnlich viele technische Ressorts einen Einblick, beschäftigt sich aber nur ganz speziell mit dem Film »Serenity« und der Arbeit an diesem einen Film, ohne viele allgemeingültige Lehren und Einsichten zu liefern. Wer »Serenity« mag, wird voll auf seine Kosten kommen. Ansonsten handelt es sich um einen Audiokommentar für Fortgeschrittene, die über ein grundsätzliches technisches Verständnis schon hinaus sind.

10. Mai 2009

Letzte Worte: „I’m done talking. Watch the credits.“

Der Film

Regisseur: Joss Whedon

Titel: Serenity

AKAs: The »Firefly«-Movie

▲»Serenity« in der IMDB.

Audiokommentar

Sprecher: Joss Whedon

Funktion: Writer/Director

Sprache: Englisch

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