Martin spielt Train Simulator

MJKK

Screenshot

Martin fährt seinen Diesel-Frachtzug in einen Tunnel kurz vor dem Marias Pass. Es ist das erste Mal, dass ich mir eine Reise vorgenommen habe aufgrund der Landschaften, die ich aus einem Computerspiel kenne. (Screenshot aus Microsoft Train Simulator)

Tübingen. (mjeu/majo) Computerspiele finde ich langweilig. Überhaupt finde ich, dass ich wenig Geduld für Spiele aufbringe. Das könnte ich noch verallgemeinern für Tätigkeiten, die nichts pflegen und keinen Mehrwert hinterlassen außer einem Highscore. Ich finde erstaunlich, dass ich mit über 20 noch Poker gelernt habe. Mehr schlecht als recht, aber gut genug um eine Pokerrunde zumindest nicht mit der Frage aufzuhalten: »Wann bin ich denn dran?«. Freunde dagegen, die mir kürzlich Skat beibringen wollten, haben das Handtuch geworfen. Nach zwei Stunden fand ich selbst, dass ich Skat nicht mehr lernen wolle. Es ist aber auch ein dummes Spiel.

Die Liste der Computerspiele, die ich lange am Stück oder immer mal wieder gespielt habe, ist überschaubar:

  • Tetris (GameBoy, Java, freetetris.org, iPod)
  • Microsoft Flight Simulator (PC)
  • Anno 1603 (PC)

Neu hinzu gekommen ist Microsoft Train Simulator. Ich war etwa für eine Woche süchtig. Ich habe beim Frühstück zu spielen angefangen und habe völlig übermüdet und mit Rückenschmerzen bis tief in die Nacht gespielt. Nach sechs Tagen habe ich Train Simulator deinstalliert.

Ich war im Taschengeld-Regal beim Uranus auf der Suche nach einem Schiff-Simulator gewesen. Ich wollte einfach mal wieder Schiff fahren. Ein günstiger Schiff-Simulator war aber nicht im Angebot. Ein Kran-Simulator kam in die engere Wahl. Als ich einen Müllabfuhr-Simulator fand, glaubte ich an eine Parodie. Aber so etwas gibt es wirklich. Schließlich nahm ich das Eisenbahn-Programm. Ich wollte zwar noch nie Lokführer werden, aber was soll’s.

Cockpit

Cockpit-Ansicht: Mit der Monsterlok über den Marias Pass

Microsoft Train Simulator hat noch gute alte Neunzigerjahre-Grafik. Und manchmal flackern 3-D-Objekte, so dass plötzlich nur ein Radwerk auf der Schiene rollt und die Lokomotive darüber weg blinkt. Mein Display hat sich von der Umstellung auf 256 Farben nie wieder erholt: Firefox zeigt immernoch Internetbilder mit Schraffuren und Punkten an. Realistisch ist Microsoft Train Simulator in dem Sinne, dass man genau die richtigen Hebel und Schalter wie in der echten Lokomotiv-Vorlage bewegen muss. Man steuert mit der Tastatur. Ich habe meinen Joystick angeschlossen, aber das führte zu nichts.

Obwohl ich ein Versager in Microsoft Train Simulator bin*, ist es genau das richtige Spiel für mich: Keine nennenswerten Regeln zu begreifen. Man kann direkt losspielen. Dabei generiert man wertvolle Erfahrungen.** Und es ist kein Aufmerksamkeit heischendes, ablenkendes, ermüdend actiongeladenes Spiel. Man hat die Zeit, aus dem Seitenfenster die vorbei ziehende Landschaft zu betrachten. Mann kann sich seinen Zug von hinten ankucken. Oder man könnte einfach eine Runde Skat spielen, während man nur hin und wieder den Tempomesser kontrolliert.

*        Ich habe es erst einmal über den Marias Pass (eine Art Hochschwarzwald am anderen Ende der Welt) geschafft; bei der anschließenden Abfahrt haben mir die Bremsen versagt und mein Zug ist entgleist. Beim zweiten Anlauf hat die Antriebskraft von drei Lokomotiven aufgrund übler Witterungsverhältnisse und maximaler Zuladung nicht ausgereicht, den Berg hoch zu kommen. Anschließend habe ich auch noch an der überlasteten Kupplung alle Wagen verloren.

**    Wer weiß schon, wann er mal in die Verlegenheit kommt, einen Haufen Leute zu retten indem er das Steuer einer Lokomotive übernimmt? Ich habe gelernt, dass die große Masse und riesige Kraft einer Lokomotive mit Respekt und Geduld behandelt werden müssen. Geduld vor allem.

Zu lesen angefangen:

Julian Jaynes: »The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind« (UB++)

Hans Peter Willberg & Friedrich Forssman: »Erste Hilfe in Typographie« (QB++)

David Foster Wallace: »A supposedly fun Thing I’ll never do again. Essays and Arguments« (EB+)

Letztens fertig gelesen:

John Burnham Schwartz: »Reservation Road« (VB+)

(Für 20.06.)

3 Kommentare

Eingeordnet unter Martin spielt

3 Antworten zu “Martin spielt Train Simulator

  1. Der nicht mal besonders lange Wikipedia-Artikel über den Marias Pass enthält sogar den scheinbar unerlässlichen Hinweis: »The route forms part of the Microsoft Train Simulator game.«

  2. Pingback: Ak tronic Train Simulator - Ak tronic - Gimahhot

  3. Pingback: 2010 in review | martinJost.eu

Sag, was du denkst!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s