Rosskastanienminiermotte ist ein Arschloch.

(Aber Freiburgs Wohnsituation ist auch mies.)

Ich als Freiburger

Von Martin Jost

Martin denkt ernsthaft nach.

Martin denkt ernsthaft nach.

Freiburg. (mjeu/majo) Freiburgs Ruf als schöne Stadt mottet. Unsere Kastanien sind gelb, bevor es richtig Herbst wird. Ein Mottenmonster aus Asien (jaja, der Chines!) mit einem Namen wie die Hexe in Disney-Filmen ist daran schuld: Cameraria ohridella. Sie hat bei uns keine natürlichen Feinde und frisst deshalb einfach alles kaputt. Der einzig wirksame Weg ihren Fortpflanzungszyklus zu durchbrechen, informiert uns auf agitatorischen Postern die Stadtverwaltung, ist, Kastanienlaub zu sammeln und im großen Stil zu vernichten.

Kein Fußbreit der Miniermotte!

»Keine Chance der Kastanienminiermotte!«

»Keine Chance der Kastanienminiermotte!«

Freiburg soll anpacken und Laub sammeln. Die Kampagne tönt bar jeder Ironie: »Keine Chance der Kastanienminiermotte!« Das ist plakativ und schändlich verkürzt. In Wahrheit heißt das Tier Rosskastanienminiermotte.

Über die ulkige Kampagne, deren Plakate seit August in Freiburg hängen, hat sich die »Badische Zeitung« am 30. September in ihrer »Münstereck«-Glosse auch schon lustig gemacht.

Zugleich wird mir gemeldet, dass das Riesenmehrbettzimmernotlager, in dem Freiburger Studenten unterkommen, die nicht rechtzeitig vor Semesterbeginn eine Wohnung gefunden haben, überfüllt ist und eine Warteliste führt. Wohlgemerkt kostet es sieben Euro die Nacht zuzüglich 100 Euro Kaution, wenn man in der Notunterkunft schlafen muss.

Ich finde das schrecklich. Oberbürgermeister Salomons noch jugendliches Antlitz schaut uns von alten, schon oft nachgedruckten Plakaten an, auf denen er die Freiburger Vermieter bittet, an Studenten zu vermieten. Der Freiburger Wohnungsmarkt ist eine einzige Katastrophe. Und wir haben noch nicht den für nächstes Jahr erwarteten anderthalbfachen Zustrom aus dem ersten G-8-Jahrgang.

Worauf ich hinaus will: Wenn jemand an seinen Studienort Freiburg zieht und in einer Notunterkunft schlafen muss – was schon wie Erdbebengebiet klingt – dann ist es doch die reinste Schande, dass er nicht auf Knien um Verzeihung der Umstände gebeten und ins Colombi einquartiert wird.

Na gut, vielleicht ist das ein bisschen übertrieben. Es sollte abgestuft werden: Wer bis 50 kg Laub gesammelt und abgegeben hat, kommt in eine Jugendherberge. Wer mehr zusammenharkt, kriegt ein Hotelzimmer von Stadt und Studentenwerk bezahlt. So tun die Studenten was für ihre Integration; sie retten die Stadt vor dem Mottenuntergang und sie lernen schonmal eine Menge Straßenzüge in ihrer neuen Heimat kennen.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter 03 Martins Meinung (MI), 08 Drahtbildberichterstattung, Ich als Freiburger

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