Genehmigt

Martin findet inzwischen okay, dass Obama den Friedensnobelpreis bekommt

Ich als Freiburger

Von Martin Jost

Martin denkt ernsthaft nach.

Hundert Pro Martins Meinung.

Freiburg. (mjeu/majo) Der Friedensnobelpreis, hat die Königliche Schwedische Akademie vergangenen Freitag verlautbart, geht in diesem Jahr an US-Präsident Barack Obama. Seitdem hagelte es nur Kritik an der Entscheidung. Letzte Woche hätte ich auch gesagt: Wofür kriegt er den? Der Jungspund hat doch noch gar nichts geschafft. Ich hätte vorgeschlagen, dass ihn statt seiner einer seiner vielen Wähler erhält. Exemplarisch für alle Wähler, die letzten November ein protofaschistisches Regime aus dem Weißen Haus gefegt haben.

Meinen Frieden machen mit dem Friedensnobelpreis konnte ich dank Rachel Maddow, die auf CNBC eine liberale Meinungs-Show moderiert. In einem viertelstündigen Segment weist sie nach, dass Friedensnobelpreise schon immer die gute Absicht auszeichneten und nicht etwa das runde Lebenswerk. Sonst hätten Carl von Ossietzky (gegen Hitler angeschrieben, ins KZ gekommen), Desmond Tutu (1984 mit Beseitigung der Apartheid noch nicht fertig gewesen) oder Benazir Bhutto (vorerst verkackt; Burmas Diktatur nicht beseitigt, stattdessen eingesperrt) ihre Friedensnobelpreise jeweils auch nicht verdient.

Zweitens benennt Maddow das Bush Derangement Syndrome um in ein Obama Derangement Syndrome. Ersteres hatten Bush-Anhänger konstruiert und es Linken und Liberalen unterstellt, die einfach alles schlecht fanden, was Assi-Präsident arbeitete. Obama Derangement Syndrome ist nach Maddow die Tatsache, dass die Immernoch-Bush-Anhänger ihrem Präsidenten überhaupt nichts gönnen können. Sogar als ihre Vereinigten Staaten den Zuschlag für die Austragung Olympischer Spiele nicht erhielten, freuten sie sich diebisch. Und zum Friedensnobelpreis meint der im Wesentlichen rechtsradikale Meinungs-Radiotalker Rush Limbaugh: »Ich denke, da sind wir mit dem Iran und mit den Taliban mal einer Meinung: Dass Obama ihn nicht verdient hat.«

Richtig, ein cooler Typ, der ganz Europa Gänsehaut beschert hat im amerikanischen Wahlkampf vor einem Jahr (hatte jemand schonmal Gänsehaut bei einer von diesen sachlichen, gelassenen und geschäftsmäßigen deutschen Bundestagswahlen? Ich nicht. Ich sage nicht, dass das schlecht ist), ein Typ der fast zu jung und sympathisch wirkt um den einflussreichsten Job der Welt zu machen, kriegt diesen Gänsehautpreis für die Inspiration, die er verschenkt hat und für den Vertrauensvorschuss, den er genießt. Denn er hat sich hin gestellt und hat total ernst verkündet, Atomwaffen vernichten zu wollen. Er will den USA, einem der strukturell unterentwickeltsten Industrieländer der westlichen High-Tech-Welt, eine gesetzliche Krankenversicherung verschaffen. Damit rückt Amerika sozusagen in die Erste Welt vor. Und er will ein paar Kriege mit Stil beenden.

Also mal ehrlich: Dass er diese Absichten überhaupt noch in den Mund genommen hat, nachdem er gewählt war, macht ihn in meinen Augen zu einem Freiheitskämpfer. Wenn die Präsidentschaft eine Art Rutschpartie durchs Kiesbett darstellt, bin ich gespannt, wie lange ihm noch Schwung bleibt. Sympathisch zu sein als Mensch, der täglich über Menschenleben entscheidet, die sich opfern müssen – indem er bloß morgens aufsteht und nicht alle US-Soldaten nach Hause beordert – ist schwer, aber er kann es noch.

Ich möchte zum Schluss kommen, denn es ist spät. Worüber will ich nochmal seit Wochen schreiben? Ah richtig: Freiburgs Oberbürgermeisterwahl. Dann eben nächste Woche. Eine Idee habe ich noch: Warum geben wir nicht Dieter Salomon den Friedensnobelpreis? Dafür, dass der Heerscharen von Ökomilizen und Biomissionaren dazu bekommen hat, sich freiwillig in kümmelige abgeschottete Stadtteile zurückzuziehen. Die wären nie nach Vauban oder Rieselfeld gegangen, wenn man »Ghetto« dran geschrieben und sie gezwungen hätte. Aber jetzt knabbern sie fröhlich ihr fleckiges braunes Obst und bewerfen Straßenbahnen mit Farbbeuteln, die hinten raus nach Atomstrom riechen. Aber sie tun ja niemandem was. Ökos weg von den Straßen. Das verdient doch einen Friedensnobelpreis!

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Genehmigt

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