Die Bundeszentrale

«pilot», das Heft zum Workshop «Zeitung machen» an der Alanus-Hochschule Alfter. Juli 2001.

Hier kannst du was lernen: Martin erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung

[Martin Jost] Für viele, die sie bisher nur als unscheinbares Folter-Label der Schule kannten, könnte die Bundeszentrale für politische Bildung alles mögliche sein – eine Sekte, ein Propagandaministerium oder eine Mafia-Organisation. In Wahrheit ist es eine staatliche Einrichtung, deren Zieles ist, lauter mündige Bürger zu schaffen. Das heißt im Idealfall, im Wählerverständnis der Politik ihr Image als uninteressantes Gezetere zu nehmen und klar zu machen, dass sie etwas ist, was alle unmittelbar betrifft.

Die Bundeszentrale sitzt in Bonn. Aber wo da? Ist es ein kleines Büro, in einem unauffindbaren Hinterhof am Rande der Stadt untergebracht, oder eher ein zwanzigstöckiger Glasklotz mit meterhohen Mauern und Hundestaffeln des Bundesgrenzschutzes rundherum?

Gefunden! Noch in Bonns Innenstadt gelegen: Ein Bürohaus an der Ecke. Zwei Haupteingänge, einer führt in eine Geschäftsstelle, aus der man sich viel zu lesen mitnehmen kann, ein anderer zu den Büros. In einem davon sitzt Iris Möckel, bei der Zentrale tätig als Redakteurin und verantwortlich für die Leitung des Projektes Jugend. Sie beschreibt ihren Arbeitsplatz als ein Beispiel für den „real existierenden öffentlichen Dienst“ – in der Pflege nicht vernachlässigt, aber das schon seit sehr langerZeit.

Was kann sie sagen über das Wesen der Bundeszentrale für politische Bildung? Sie berichtet, dass es eine Einrichtung ist, die knapp 200 Mitarbeiter beschäftigt, die alle am Mündigmachen der Bürger arbeiten. Die Verbreitung der Information geschieht in erster Linie über den Weg der Publizistik.

Schon seit etwa fünfzig Jahren wird hier die Zeitschrift «Informationen zur politischen Bildung» herausgegeben. – Die schwarzen Hefte! Die Klassiker. – Noch-Schüler werden auch die neueren «Themenblätter für den Unterricht» kennen. All die Schriftenreihen setzen sich in erster Linie mit Basiswissen auseinander: wie läuft unsere Politik ab, wenn sie nach Vorschrift läuft.

Doch in nächster Zeit wird es auch die Bestrebung geben, aktueller zu werden und den Lesern Einblicke in die echte Tagespolitik zu geben. Die neuen Medien kommen da gerade richtig. Der Internet-Auftritt der Bundeszentrale (www.bpb.de) wird derzeit vollkommen überarbeitet.

Auch anderes wird neu werden. So war das Konzept um die Menschen zu erreichen bisher darauf ausgerichtet, über Multiplikatoren zu gehen. Das heißt Lehrer, Professoren, Dozenten etc. Nun will die Bundeszentrale, mit der nur Wenige je direkt zu tun hatten, näher an die Bürger. Und gerade an die Jugend. Durch eine großflächig aufgezogene Werbekampagne im nächsten Jahr sollen die jungen Leute erfahren, dass sie mittlerweile nicht mehr nur schwarze Hefte bekommen, bei denen der Staub schon mit aufgedruckt ist, wenn sie bei der Bundeszentrale Informationsmaterialien anfordern, sondern Lesestoff, der sogar bunte Farben enthält. Für die Kontaktaufnahme mit Schülern verlässt man sich nicht mehr nur auf den Zwang, den sie durch die Lehrer erfahren, sondern veranstaltet HipHop-Partys und Graffiti-Contests.

Der «Timer» bietet ihnen auf leicht verdauliche Weise jeden Tag zwischen Hausaufgaben und Disco-Terminen interessantes politisches Faktenwissen und die Internet-Links zum Weiterlesen werden gleich mitgeliefert.

So werden wir in Zukunft wohl darauf hoffen dürfen, mehr von der Bundeszentrale für politische Bildung zu hören und noch mehr von ihrem jährlichen 41-Millionen-Euro-Etat zu sehen.

Vom Image her hat sie laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts für Demoskopie gute Startchancen: sie gilt im Volk als höchst seriös und zuverlässig. Nur noch ein bisschen verstaubt vielleicht…

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Eingeordnet unter 05 Wochenende (FR), Verschnitt

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