Vergessen wir nie ihre Leiden

Gedrucktes

Gedenken an Buchenwald-Befreiung

Weimar. (tlz/majo) „Es ist nötig, allen Angriffen auf die Menschenwürde entgegen zu treten und Intoleranz und Fremdenhass zu bekämpfen“, sagte Thüringens Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski gestern vor mehreren hundert Menschen auf dem ehemaligen KZ-Appellplatz der Gedenkstätte Buchenwald, wo ehemalige Häftlinge der Befreiung des Lagers vor 56 Jahren gedachten. Auch in der Fülle des Alltags sollten die Leiden der Gefangenen nicht vergessen werden. Der Opfer wurde mit Kränzen und Gedenkminuten gedacht — vor dem Gedenkstein für die sowjetischen Kriegsgefangenen, dem Mahnmal für die jüdischen Opfer, dem Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma, dem Gedenkstein für die alliierten Kriegsgefangenen sowie im Krematorium und im Kleinen Lager. In Buchenwald wurden 250 000 Menschen von den Nationalsozialisten eingesperrt und gequält, etwa 56 000 starben im Lager. Am 11. April 1945 war das KZ befreit worden. Häftlinge überwältigen die letzten SS- Wachmannschaften, bevor die 3. US-Armee eintraf.

«Thüringische Landeszeitung» vom 12. April 2001

„Die ehemaligen Häftlinge in der Ukraine wissen nur so viel über den deutschen Fonds zur Entschädigung der Zwangsarbeiter, wie sie von Freunden und Verwandten aus Deutschland erfahren. Offizielle Informationen gibt es nicht“, klagt Viktor Mamontow aus St. Petersburg. Er gehört zu den ehemaligen Häftlingen, die von der Thüringer Freundschaftsgesellschaft (TFG) eingeladen wurden.

Viele Opfer des Nationalsozialismus in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion wissen nicht, wie sie die Entschädigung beantragen müssen, und dass dies nur bis zum 11. August möglich ist. Irmgard Seidel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte, gab wichtige Informationen. Jedes Archiv und jede Bibliothek in Deutschland ist angewiesen, bei der Suche nach einer Haftbestätigung, wie sie dem Antrag beigefügt werden muss, zu helfen. In Buchenwald würden monatlich bis zu 100 solcher Anfragen bearbeitet. Die Archiv-Mitarbeiter beantworteten alle Briefe und schafften es teils in drei Tagen, ein Foto, eine Gefangenenliste oder einen Entlassungsschein zu finden, der die Inhaftierung beweist. Eine große Sorge der ehemaligen Häftlinge ist, dass ihnen nicht mehr viel Zeit für Bürokratie bleibt. Mamontow: „Von den 29 Kameraden aus St. Petersburg, die zum 50. Jahrestag der Befreiung in Weimar waren, leben heute noch 15.“

„Im Gegensatz zu den deutschen NS-Zwangsarbeitern hat ein Teil der russischen, ukrainischen und weißrussischen schon Entschädigungen aus den Fonds für ausländische KZ-Häftlinge erhalten“, sagt Weimars TFG-Geschäftsführer Karl Teichmann, früher selbst Häftling. Er hofft, dass die Entschädigung aus dem Fonds der deutschen Wirtschaft wenigstens an diejenigen sofort ausgezahlt wird, die unterschrieben haben, keine weiteren Rechtsansprüche gegenüber Deutschland geltend zu machen.

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