Noch zehn Tage Weihnachten

The X-Mas Files

Von Christopher Mas

Ich machte eine sehr schwungvolle Bewegung und was ich sah war eine Leiter, auf der gebückt ein alter, weißhaariger Mann stand. Durch seine dicken Brillengläser hindurch sah er ein Stück Papier und dessen Aufschrift an und verglich was darauf geschrieben stand mit dem Inhalt des Regals vor sich.

Er blickte mir in die Augen und begrüßte mich freundlich: „Nanu, Sie habe ich ja noch nie hier unten gesehen. Welcher Wind hat Sie denn hier her getrieben?“

Ich erwiderte: „Schmeißen Sie das weg und kommen Sie ganz langsam mit erhobenen Händen runter“. Meine Arme verspannten sich unter dem Gewicht des MGs.

„Wenn ich die Leiter loslasse, werde ich runterfallen“, jammerte er, während er mich durchdringend über den Rand seiner Brille anblickte.

„Sie dürfen die Rechte nehmen“. Er befolgte meine Anweisungen.

Dann stellte ich ihm weitere Fragen: „Wer sind Sie?“

„Man nennt mich allgemein Alfred. Ich bin hier der Archivar.“

„Was archivieren Sie?“

„Alles, was die lieben Kleinen nicht wollten oder nicht bekommen konnten.“

„Bitte?“, fragte ich, denn ich wusste nicht, was er wollte.

„Ich nehme an, Sie sind kein Eingeweihter, oder?“

„Nein, ich bin Journalist.“

„Oh wirklich?“, reagierte er unerwartet freundlich. „Woran arbeiten Sie zur Zeit, mein Freund?“

„Ich bin nicht Ihr Freund. Und ich habe die Absicht, den Menschen die Wahrheit über Area 51 zu berichten.“

„Welche Wahrheit?“

„Alles über die Außerirdischen, die Experimente, die Ufo-Wracks…“

Der alte Mann Alfred lachte. „Ach so na dann.“

„Hä?“, fragte ich journalistisch proffessionell weiter.

„Naja. Was Sie für die Wahrheit halten, sind unsere Lügen. Das mit den Ufos ist nur eine Vertuschung für das, was hier wirklich passiert.“

„Versuchen Sie ja nicht, irgend etwas zu vertuschen über die Ufos. Ich weiß alles“, sagte ich und dachte dann und sagte dann: „Was meinen Sie?“

„Wären Sie sicher, dass Sie alles wüssten, wären Sie wohl nicht nach Area 51 gekommen.“

„Sind Sie Philosoph, Alder?“, fragte ich in meinem angeborenen Streben, ein Profil meines Interviewpartners zu erstellen.

Und dann geschah es – meine Unachtsamkeit kostete mich. Direkt hinter mir hörte ich die furchteinflößende Stimme des mutmaßlichen Außerirdischen: „Waffe runter! Keine Bewegung! Alf, nimm sie ihm ab!“

Alfred verzog das Gesicht, machte drei Schritte auf mich zu und nahm mir dann das MG aus der Hand. Ich hob meine Arme und faltete die Hände hinter dem Kopf, bereit, mich meinem Schicksal, der Hinrichtung mit vorangegangenen Experimenten durch die Außerirdischenforscher, hinzugeben. Langsam drehte ich mich und dachte bei mir, wenn ich die Wahrheit schon nicht unters Volk bringen könnte, so würde ich doch wenigstens mir die Wahrheit gönnen, die ja schließlich meine Mission war.

Und ich drehte mich um und besah den Alien, der eine Spielzug-Wasserpistole auf mich gerichtet hielt, etwa einen Meter dreißg groß war und für meine Augen eine Weihnachtsmann-Kostümierung trug. Eine rote Mütze mit weißer Bommel, die ihm zu groß war und ihm in die Augen fiel, ein roter Mantel mit weißen Säumen und darunter schwarze Stiefel und die Haare in seinem Gesicht waren nicht einfach Fell, sondern ein würdiger, langer, weißer Bart. Insgesamt eine äußerst lachhafte Gestalt. Man konnte nicht einmal seine Füße sehen, sein Mantel war zu lang und die Textilmassen stapelten sich vor seinen Schuhspitzen.

Er zeigte mir ein sehr grimmiges Lächeln und meinte dann zu Alfred: „Du erzählst den Leuten immer zuviel. Umso schwieriger wird der Löschprozess hinterher, je mehr Sie wissen.“

„Wenn Sie sowieso mein Gedächtnis auslöschen wollen, dann sollten Sie mir vielleicht nicht vorenthalten, was hier wohl passiert.“

Der Zwerg knirschte mit den Zähnen und sagte: „Nein! Sie werden mir sofort in die Krankenstation folgen!“ Und das mit einigem Nachdruck. Fast hätte ich mich tot gelacht darüber, wie der Wutz sich aufführte.

„Seien Sie doch nicht so hart. Und spielen Sie sich nicht immer auf als hätten Sie etwas zu sagen!“, meinte Alf netterweise und fügte hinzu: „Haben Sie nichts zu tun?“

Der Zwerg schnaufte wütend, machte kehrt und stolperte so über seinen Mantelsaum, dass er so lang wie er eben nicht besonders war, hinfiel. Über dieses peinliche Malheur schnaufte er erneut und verschwand.

Ich wandte mich wieder zu Alf um und legte mein Gesicht in alle möglichen Falten. Ich wirkte wohl sehr fragend. Genau, wie wir es im Jounalisten-Kurs gelernt hatten und der Alte begann auch sofort mit dem Erzählen:

„Tja, wie soll ich sagen? Wissen Sie… auf Area 51 hat der Weihnachtsmann seine Operationsbasis.“

Sie werden verstehen, dass ich mich bei diesen Worten verar***t fühlte. So viel vorläufig zur Wahrheit.

Wird Christopher Mas dahinter kommen, was in Area 51 in Wirklichkeit gespielt wird? Morgen mehr.

© 1998, 2009 Martin Jost

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Eingeordnet unter 04 Groschenromane (DO), The X-Mas Files

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