Prost Freiburch

Wie war euer Jahr bis jetzt?

Ich als Freiburger

Von Martin Jost

Martin denkt ernsthaft nach.

Martin war das ganze Jahr noch nicht in Freiburg. Aber er freut sich auf zu Hause.

Weimar*. (mjeu/majo) Zweitausendzehn. Fühlt sich so an, als lebte man in einem Science-Fiction-Film. Fällt mir immer noch ein bisschen schwer, diese Jahreszahl zu schreiben. Mir und den Geldautomaten von der Postbank.

Ist dir schon mal aufgefallen, dass in „Geldautomaten“ das Wort „Tomaten“ steckt? Ich habe gestern eine amerikanische Comedienne gesehen, die heraus strich, dass man „Therapist“ (Psychotherapeut) auch als „The Rapist“ (Der Vergewaltiger) lesen kann. Aber mehr Exkurs wollte ich mir auch gar nicht heraus nehmen, zurück zum Thema.

Was ist denn das Thema? Vorsätze und Tradition

Wir suchen noch. Das Jahr ist ja noch jung und wenn man sich ein Frohes Neues wünscht, kommt man schon meistens irgendwie ins Gespräch. Vorsätze zum Beispiel: Ich habe mir einen Koffeinentzug vorgenommen. Nicht das ganze Jahr, aber mal am Anfang. Noch halte ich durch. Dieses Jahr habe ich bis jetzt nur Koffein getrunken zu medizinischen Zwecken, um die schlimmsten Nebenwirkungen des Entzugs zu mildern. Zum Beispiel am zweiten Tag cold turkey kriege ich immer Kopfschmerzen, Augenbrennen, Übelkeit, Sehstörungen und Schüttelfrost. Aber weil ich meine Zeit zu Hause mit alten Schulfreunden genießen wollte, habe ich mir im ACC Galerie & Café** den stärksten Doppel-Espresso-getunten Riesenkaffee genehmigt, den es gab.

Was geht noch so an Themen? Traditionen. Ich bin sehr sentimental, was die Zeit „zwischen den Jahren“ (das ist eine der poetischsten Phrasen, die ich mir vorstellen kann) und die ganzen Feste dazwischen angeht. Und ich hege althergebrachte, eiserne Traditionen. Zum Beispiel «National Lampoons’ Christmas Vacation» kucken an Weihnachten, «Dinner for One» kucken an Silvester, Neujahrskonzert und «Breakfast at Tiffany’s» kucken an Neujahr und den neuen Woody-Allen-Film sehen im Kino irgendwann um den Jahreswechsel.

Auch traditionell um den Jahreswechsel geht entweder mein Computer kaputt oder kackt mein Handy ab. Diesmal ist es wohl irreparabel, jedenfalls wollen sich o2 und der Bertelsmann-Konzern um die Gewährleistung drücken und damit hätte ich nie wieder Internet zu Hause bis ich reich bin. Buhuu. Ein Grund mehr, meinen Eltern noch ein paar Tage auf der Tasche zu liegen statt zu Hause in Freiburg von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Würde dir meine Kolumne fehlen, wenn ich kein Internet mehr hätte? Sei ehrlich.

Wird ein spannendes Jahr

Und bei euch? Sacht doch ma. Was geht überhaupt in Freiburg zur Zeit? Dass dieses Jahr nicht an Silvester zum letzten Mal die Korken geknallt haben, ist jetzt schon klar. Wir wählen einen neuen Oberbürgermeister. Ich wollte ja auch kandidieren. Aber man muss 250 Unterstützerunterschriften anbringen um sich überhaupt bewerben zu dürfen und ich hasse ja so Straßenumfragen.

Wem dieses Jahr die Korken wohlgesinnt sind und wem sie um die Ohren fliegen: Wissen wir das eigentlich schon? Oder ist das gar nicht so eindeutig, wie man manchmal zu meinen verführt ist?

Und nicht vergessen: Auch dieses Jahr steht wieder der Kampf gegen die Rosskastanienminniermotte an. „Das ist ja noch ewig hin“, wirst du jetzt vielleicht sagen, aber wir müssen wehrhaft sein. Verweichlicht nicht, Leute! Im Spätsommer oder Herbst kommt sie zurück. Der Feind ist noch lange nicht vernichtet. Und dann muss wieder mit Laubgabel und Papiersack die Freiburger Kastanie an sich verteidigt werden, unter Schweiß und Tränen, bis zum letzten Mann, wenn es sein muss.

Also trinkt nicht so viel.

* Das ist eine Stadt in Thüringen. Weimar war mal deutsche Hauptstadt. Thüringen ist keine Stadt, sondern eines unserer 16 Bundesländer. Thüringens Hauptstadt Erfurt ist so groß wie Freiburg. Thüringen ist das grüne Herz Deutschlands. Man sagt „Mitteldeutschland“ und nicht „Zone“. Ostdeutsch ist kein Dialekt. Thüringisch ist ein eigener Dialekt und ist mindestens so unterschiedlich vom Sächsischen wie Badisch vom Schwäbischen. Ich spreche keine dieser Sprachen.

** Ich würde liebend gern einen Vergleich zu einer Freiburger Kneipe ziehen, aber das fällt mir bislang schwer. Ich habe in Freiburg noch keinen Lieblingsplatz gefunden, der einer der beiden Weimarer Kneipen (Resi und ACC) irgendwie entspricht. Resi geht ja noch: Stell dir einfach den Schlappen mit Kulturpublikum und Mélange vor. Aber das ACC? Puh… PS: Ein Foto von mir im ACC könnt ihr am Montag im «Spiegel» sehen.

Dieser Artikel erschien auch auf Orangenfalter.de.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 03 Martins Meinung (MI), Ich als Freiburger

Eine Antwort zu “Prost Freiburch

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