Theater nicht unerschwinglich machen!

Stadttheater-Eintrittspreise steigen • Junges Freiburg gegen Erhöhung auch der Schüler-Preise • Martin Jost: Theater soll günstig wie Kino bleiben

Frau pleite

Die junge Frau ist unsicher, ob sie noch genug Geld für’s Theater hat. Sie ist außerdem sehr theatralisch. • Foto: VMJones/istockphoto.com

Freiburg. (of/majo) Ab der Spielzeit 2010/2011 steigen die Eintrittspreise des Freiburger Stadttheaters an. Über diesen Vorschlag stimmte am vergangenen Dienstag der Freiburger Gemeinderat ab. (Das Stadttheater ist ein städtischer Eigenbetrieb. Das heißt, das Theater kann nach außen als eigenständiger Wirtschaftsbetrieb auftreten, ist aber rechtlich nichts anderes als die Stadt Freiburg. Darum entscheidet der Gemeinderat über die Preispolitik des Theaters.)

Junges-Freiburg-Stadträtin Simone hatte mit Geschäftsstellenmitarbeiter Jochen einen Antrag vorbereitet, dem zufolge zumindest die ermäßigten Tickets für Schüler und Studenten nicht teurer werden sollten.

Der Antrag wurde genauso wenig angenommen wie die Anträge anderer Parteien und Fraktionen im Gemeinderat, die von Gar keine Preiserhöhung bis Mehr Werbung für Hartz-IV-Ermäßigung reichten. Schüler- und Studententickets werden ab der neuen Spielzeit, die nach der Sommerpause beginnt, 8 statt 7 € kosten.

Das Stadttheater steht unter erheblichem Druck, mehr Geld zu verdienen, wie die BZ schreibt.

Meinung
Ich als Freiburger

Vielleicht kann das Theater in puncto Preispolitik ein paar gute Ideen der örtlichen Kinoszene abkucken?

Stadträtin Ellen Breckwoldt (CDU) hält laut «Badischer Zeitung» die Preiserhöhung für Schüler- und Studententickets für vertretbar. Das kommt daher, dass sie entweder noch in D-Mark rechnet oder bei einer Reichen-Partei arbeitet. Ein Euro ist auf einen Abend gesehen natürlich nicht viel. Bei 52.000 Besuchern aus dem Kreis der Freiburger Studenten und Schüler (lt. BZ; das ist ein Viertel aller Besucher des Theaters) grenzt es aber an Taschengeldraub. Studenten leben – so sie nicht einen Sponsor in der CDU haben – von geliehenem Geld und Schüler müssen zwar in der Regel von ihrem eigenen Geld nur Freizeitkosten bestreiten, leben aber trotzdem von eingeschränkten Mitteln.

Ich prophezeie einen herben Einbruch beim Anteil der jungen Theaterbesucher als Folge der Ticketpreiserhöhung. Eigentlich sollte die Geldfrage den geringsten Ausschlag geben, wenn Schüler und Studenten sich einen kleinen geilen Theaterbesuch überlegen. Gegen einen Kinobesuch unter der Woche sollte Theater nicht das Geld-Argument verlieren. Im Augenblick geht der Trend in großen Schritten zu immer teureren Eintrittskarten.

Martin denkt ernsthaft nach.Welt verbessern:
Martins Ideen (zum Abkucken)

Die Eintrittspreise auch für Schüler und Studenten zu erhöhen, war ein Fehler. Die Stadt sollte nachbessern.

  • Wie wäre es zum Beispiel mit einem Kontingent an Pay-After-Sitzen für Studenten und Schüler in jeder Vorstellung? Michael Wiedemann hat das mit seinem örtlichen Kunstkinokonzern in Deutschland eingeführt.
  • Ich höre schon: Diese flegelhafte Jugend von heute, die geht dann ins Theater, pöbelt rum und zahlt hinterher nix. Was hältst du dann von einer Payback-Lösung, einer Ermäßigung für erwiesene Theatersüchtige? Je mehr abgerissene Studententickets der Besucher am Ende der Spielzeit bei der Stadt vorzeigt, desto mehr Ermäßigung kriegt er auf die Hand. (Außerdem schafft das auch Arbeitsplätze in der Verwaltung, yeah.)
  • Vergleichbar mit den weiter gefassten Bildungsgutscheinen (kostenloser Zugang zu kulturellen Veranstaltungen für Jugendliche aus sozial schwachen Familien), die Junges Freiburg erfolgreich in der vergangenen Wahlperiode vorgeschlagen hat, ist der Ansatz der Stadt Halle: Wie die Zeitung «Das Parlament» berichtet, hat Halle kürzlich fast dreieinhalbtausend Theaterfreikarten an Kinder und Jugendliche verschenkt. Das ist zwar keine nachhaltige Lösung, fixt aber Einzelne vielleicht erfolgreich an.
  • Wie mir aufgefallen ist, lohnen sich Abos nach wie vor nicht für Studenten. Mit einem Theaterabo kommt man immer noch teurer als mit Ermäßigung. Warum gibt es kein Studenten- und Schülerabo für sagen wir mal 10 Vorstellungen, mit denen der einzelne Besuch wieder 7 oder vielleicht sogar nur 5 € kostet?
  • Und das Ganze in modern: Was ist mit einer Flatrate? Allein das Wort! Ich verbürge mich dafür, dass die meisten Unter-16-Jährigen alles kaufen werden, was Flatrate heißt. Egal, wofür. Cinemaxx bietet so eine Art BahnCard100 seit einiger Zeit an. Ich denke da an 100 € pro Spielzeit für Studenten.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 03 Martins Meinung (MI), Ich als Freiburger

Eine Antwort zu “Theater nicht unerschwinglich machen!

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