2010 gelesen

Freiburg. (mjeu/majo) Zeit ist kostbar. Sie mit Büchern zu verbringen ist, verglichen mit FilmeBücherregaln, reichlich unökonomisch. Ein enttäuschender Film kostet einen höchstens drei Stunden Leben. Wenn ein Buch nicht passt, sind locker 20 Stunden Lebenszeit im Eimer.

Da ist es doch das Mindeste, die Bücher, in die man investiert hat, nicht auch noch zu vergessen. So dass man sie nicht aus Versehen zwei mal liest (Missgriffe) oder zwei mal lesen muss (gute Erfahrungen).

Da passt es ja gut, dass es sich für deutsche Befindlichkeitsblogs gehört, gegen Jahresende eitel Bilanz zu ziehen über die Bücher, die man abgehakt hat.

Referenz für meine Liste ist mein Notizblock @zugeklappt auf Twitter, auf dem ich seit März diesen Jahres ausgelesene Bücher dokumentiert habe.

März 2010

Diablo Cody: Juno. (Drehbuch). Liest sich aufgesetzter als der Film klingt. Leider keine aus dem Film gekürzten Szenen enthalten.

April 2010

Jan Weiler: MS Romantik. (Hörspiel, zusammen mit Annette Frier.) Nicht so plausibel aufgebaut. Interpreten sprechen nicht natürlich.

Mark Haddon: The Curious Incident of the Dog in the Night-Time. Überzeugend als Einblick in die Welt-Sicht eines Autisten.

Mai 2010

Museum für Gedankenloses + Reclamverlag & Claudia Dichter: Kaba und Liebe. Dokumentiert in kleiner Auswahl Nischenkunstform: Bemalte Reclamhefte.

Bajram: Universal War One. Band 1 »Genesis«. Dicht gepackte Handlung, wenn auch offensichtlich bemüht konstruiert. Sehr klare Grafik.

Ivan Turgenjew: Faust. Eine Erzählung in neun Briefen. (Hörbuch). Tradition von Die Leiden des jungen Werther und Hyperion. Altmodische Pointe.

Randall Munroe: xkcd. (Webcartoon). Ehrlich skurriler Humor; filigraner Anspielungsschatz, der sich tagesaktuell auf Online-Popkultur stützt.

Kurt Tucholsky: Das Stundenkonto. (Hörbuch; Reise-Essays). Bare Skizzen von kleinen, eigenartigen Eindrücken zwischen Paris und Deutschland.

Robert McKee: Story. Substance, Structure, Style and the Principles of Screenwriting. (Hörbuch, vom Autor gelesen). McKees literarische wie seine Lesestimme sprühen vor unglaublicher Kathederautorität.

Kathrin Passig & Aleks Scholz: Verirren. Unendlich lesbares Lesebuch über undenkbare Aspekte des Verirrens. Lädt zum Übertragen und Abstrahieren ein.

August 2010

Jakob Hein: Mein erstes T-Shirt. Generation Golf für Ossis. Sprachkunst so Arztbriefniveau. Humor ganz groß. Episoden in Kaminerlänge.

Christiana Engelmann & Claudia Kaiser: Möglichst Schiller. Ein Lesebuch. Zeitgemäße Biographie, für heutige Leser auf Augenhöhe.

September 2010

Angela Leinen: Wie man den Bachmannpreis gewinnt. Lustige Befunde über zeitgenössische Nichts-passiert-Kurzgeschichten. Kurzweilig.

Trille: Gummibärchen. Ihr erstes Buch. Schräger Humor, charmante Cartoons. Was hätten uns Gummibärchen zu sagen, wenn sie sprechen könnten?

Oktober 2010

David Foster Wallace: A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again. Wallace fügt sich zum Glück nicht dem Kürze- und Prägnanzdiktat, wenn er in Reportagen seine Neurosen ausbreitet.

Tilman Spreckelsen: Der Maigret-Marathon. Ein Selbstversuch in 75 FAZ-Kolumnen. Das eine ist jedenfalls leider nicht gelungen: mir Lust auf Maigret zu machen. Zumal darauf, alle Bände zu lesen.

Frank Ronan: Dixie Chicken. Deftiger irischer Humor, dem nichts heilig ist. Selbst der Ich-Erzähler, Gott, ist eine Sau. Die Krimihandlung ist eine naturalistische Parodie: Korruption geht für die Polizisten über Ermittlerehrgeiz. Aber am Ende hat zumindest der Leser eine Antwort, wer wen umgebracht hat.

November 2010

Holm Friebe & Sascha Lobo: Wir nennen es Arbeit. Fleißiger und unterhaltsamer Rundumschlag. Helle Gedanken über Arbeit und zukünftige Gesellschaft.

Nadine Gordimer: Der Inbegriff des Erfolgs. Warm und stickig wie kaminbeheiztes Barzimmer erzählt. Übersetzung lässt zu wünschen übrig.

Dezember 2010

David Foster Wallace: This is Water. Kleine, beispielreiche Rede über sich andere Perspektiven zu eigen machen, eigenen Film klarkriegen.

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 06 Martin Josts Kulturkonsum, Martin hört, Martin liest

Eine Antwort zu “2010 gelesen

  1. Pingback: Europa-Misstrauen, intellektuellig | martinJost.eu

Sag, was du denkst!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s