„Glauben herausblasen“

35 Jahre Posaunenchor Schöndorf:
Abendmusik mit dem Landesposaunenwart

Glauben herausblasen

Thüringische Landeszeitung • 12. Juni 2001

Weimar. (tlz/majo) Gerade hat Martin Steiger, Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde in Schöndorf, noch Volleyball gespielt. Jetzt ist er umgezogen und stimmt zusammen mit den anderen Blechbläsern sein Instrument. Am Samstagabend bot der Posaunenchor zusammen mit befreundeten Musikern aus Oldisleben und Gebesee den Gemeindemitgliedern geistliche Musik, nachdem er schon tagsüber mehrfach aufgespielt hatte. So brachte er den Männern der Dorffeuerwehr ebenso ein Ständchen wie den Nonnen des benachbarten St. Karmel-Klosters.

Normalerweise bestreitet das Ensemble mit den Freiluftauftritten vor allem diakonische Einsätze beispielsweise im Altenheim oder Krankenhaus oder untermalt alle Festgottesdienste in der Gemeinde musikalisch auf eine Weise, die man in anderen Kirchen selten zu hören bekommt. Zur Übung spielen die Musiker auch, wenn sie Zeit und Lust haben, an jedem Samstag nach dem Abendläuten noch ein wenig.

Die Abendmusik diesmal wurde von Klaus Uliman aus Oberroßla, dem Landesposaunenwart, dirigiert, den die Schöndorfer extra zum Jubiläum eingeladen hatten. Der ließ aber die Trompeter, Hornisten, Tubaspieler und Posaunisten nicht ganz allein ackern, sondern die Gemeinde hin und wieder ihren Gesang beisteuern. Der ging neben der sehr mächtigen Blechblasmusik etwas unter. Zwischendurch legte Pfarrer Steiger auch mal seine Tuba weg für ein paar feierliche Worte über Bedeutung und Geschichte des 1966 zeitgleich mit der Fertigstellung der modernen Kirche gegründeten Posaunenchores. Ein richtiger Festgottesdienst zum Jubiläum war am Sonntagmorgen. Das war mehr ein Gebet mit musikalischen Einwürfen, bei dem einigen der Instrumentalisten die Goldene Nadel für 20-jähriges Dabeisein verliehen wurde.

Martin Jost

Gedrucktes

Ganz aus der Anfangszeit ist keiner mehr da, und auch Pfarrer Siegfried Urban, der den Chor ursprünglich aufbaute, lebt nicht mehr. Das älteste Mitglied ist der 87-jährige Heino Müller, das jüngste Alexandra Scholz (14). „Im Großen und Ganzen ist die Altersstruktur aber eher schlecht“, sagt Steiger, der 1994 aus Oldisleben kam. „Aber Nachwuchs ist ja überall ein Problem, und es ist schon toll, was für einen Einsatz die Mitglieder für ihre Gemeinde zeigen.“ Die Arbeit im Posaunenchor ist natürlich ehrenamtlich. „Die Musiker haben ja meistens Arbeit und Familie. Dass ihnen die Musik so sehr am Herzen liegt, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Man kann sicher sagen, dass sie damit ein Stück weit ihren Glauben heraus blasen.“

Auch noch

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “„Glauben herausblasen“

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