Badische Revolution

Franchise-Unternehmen sind ein Segen und ein Fluch: einfacher Weg in die Selbstständigkeit, aber wenig unternehmerische Freiheit. Badische Franchisenehmer der Fast-Food-Kette „Subway“ haben sich jetzt vom Konzern losgesagt. Schlägt das Imperium zurück?

Von Martin Jost

Artikel aus Baden Intern

Erschienen in «Baden Intern» • April 2011. (Foto: Subway PR)

Es ist eins von diesen Restaurants, für die man eine Bedienungsanleitung braucht. An der Theke weisen große nummerierte Piktogramme und Checklisten darauf hin, wie man bestellen soll. Wähle deine Brotsorte, wähle eine Größe, wähle deinen Belag, wähle extra Käse, entscheide dich für oder gegen Toasten … Kernprodukt im Angebot der Restaurantkette Subway sind 15 oder 30 Zentimeter lange frisch belegte Brote. Ihrer Zigarrenform wegen heißen sie im englischen Sprachraum „Submarine Sandwiches“, also U-Boot-Brote. Wir würden „Baguette“ sagen, wenn sie außen knuspriger und innen nicht so fluffig wären.

Die Langversion mit extra Käse kostet sieben Euro. Wenn man „mit allem!“ sagt, wird man den Rest des Tages den Geschmack von Zwiebeln und sauren Pickles nicht mehr los.

Subway ist ein Global Player: Weltweit hat die US-amerikanische Kette über 34.000 Restaurants und damit mehr als McDonald’s. 100 Prozent sind Franchisenehmer. In Deutschland gibt es Subway erst seit 12 Jahren, bis Anfang 2010 wuchs die Kette aber hierzulande auf knapp 800 Standorte. Ein Jahr später sind es wieder 100 weniger. Zuletzt haben sich sieben Unternehmer mit zusammen 40 Filialen im Süden Deutschlands von ihrem Vertragspartner losgesagt und in Karlsruhe eine Genossenschaft gegründet, die die Imbisse unter der Marke Mr. Sub weiter betreibt. Davor gab es nur vereinzelte Niederlassungen, die ausgetreten sind, wie die heutige Sandwich-Manufaktur in Potsdam. Der Abfall in Baden ist der größte Austritt von unzufriedenen Lizenznehmern. Was ist passiert?

Franchise-Systeme sind ein beliebter Weg für Gastronomen in die Selbstständigkeit. „Als Franchise-Partner erhalte ich ein erprobtes Marken- und Unternehmenskonzept“, sagt Christina Westerhorstmann von der PR-Agentur Peckert, die für Subway Deutschland die Pressearbeit macht. Neben dem Wiedererkennungswert der Marke seien die geldwerten Vorteile des gemeinsamen Einkaufs und das Know-How, das man den Unternehmern mit auf den Weg gebe, Argumente für einen Vertrag mit dem Franchisegeber.

Just die ausnehmend kurze Schulung, die Geschäftspartner von Subway erhalten, ist einer der Kritikpunkte, die schon in einem Spiegel-Bericht aus dem März 2007 laut wurden. Minimal drei Wochen dauert der verpflichtende Intensivlehrgang. Zum Vergleich: bevor man ein McDonald’s-Restaurant aufmachen darf, muss man ein 18-monatiges Trainee-Programm durchlaufen. Ein weiterer Punkt ist, dass die Zentrale keinen Gebietsschutz garantiert. Die Rede ist von einer Kannibalisierung konkurrierender Filialen.

Nicole Blechschmidt ist Gründungsmitglied der Mr. Sub-Genossenschaft. Ihr gehören vier Ex-Subway-Filialen in Freiburg und vier weitere zwischen Offenburg und Lörrach. Für Presseäußerungen steht sie nach – wie sie sagt – schlechten Erfahrungen mit Zitaten nicht mehr zur Verfügung. Außerdem sei zu viel zu tun. Als sie noch Interviews gab, sagte sie der Badischen Zeitung und dem Offenburger Tageblatt übereinstimmend, dass sie rechtliche Folgen erwarte.

Subways Pressesprecherin Christina Westerhorstmann möchte zu rechtlichen Folgen oder auch nur zum Vorgang der Vertragsbeendigungen nichts sagen. Auch nicht, ob sich die Kündigungen im Rahmen der Klauseln bewegen oder als einseitiger Bruch gesehen werden.

In einem Beitrag auf TV Südbaden sagte Nicole Blechschmidt wörtlich, sie müsse „viel zu hohe Franchise-Gebühren, zu hohe Werbegebühren“ entrichten. Erstere betragen 8 Prozent vom Umsatz und gingen an Subway. Die Werbegebühren betragen viereinhalb Prozent und wandern nicht zur Mutter, sondern in einen Topf, der ausschließlich von gewählten Restaurantbetreibern verwaltet wird. Zwölfeinhalb Prozent vom Umsatz sind in der Franchise-Branche kein unüblich hoher Betrag. Zumal die Rechnung „Franchisegebühr nicht überweisen = mehr Umsatz in der Kasse“ nicht aufginge, sagt Christina Westerhorstmann. „Die besseren Einkaufskonditionen, die professionelle Warenbelieferung, Steuerungsinstrumente, Schulungsangebote und dass man in puncto Werbung nicht immer wieder das Rad neu erfinden muss – das alles sind Vorteile eines Franchise-Partners. Ein Einzelkämpfer muss dies dagegen alles alleine auf die Beine stellen.“

Trotzdem stimmt für Nicole Blechschmidt zumindest das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht: „Natürlich zu wenig Leistung“, sagte sie im Fernseh-Interview. „Haben Sie im letzten Jahr Subway wirklich richtig werblich wahrnehmen können? Also meine Kunden haben’s nicht.“

Mr. Sub ist allerdings bislang auch nicht präsent. Zum Jahreswechsel öffneten die Karlsruher Filialen ganz ohne Schriftzug, weil das Logo noch nicht fertig war. Einen Internetauftritt der Genossenschaft gibt es trotz bald einjähriger Planung der Revolution noch nicht. Dabei wäre das die am wenigsten aufwändige Werbemaßnahme. Leicht findet man stattdessen die Präsenz der kanadischen Franchisekette Mr. Sub, die – was auch sonst? – Submarine-Sandwiches verkauft.

Einen Repräsentanten, der für die ganze Genossenschaft spräche, hat Mr. Sub auch noch nicht. Der Anrufbeantworter einer Karlsruher Filiale behauptet noch, er stehe in einem Subway-Restaurant. Dabei hat man sich ansonsten große Mühe gegeben, alle Verweise auf den alten Vertragspartner restlos zu entfernen. Bedruckte Butterbrotpapiere oder Servietten verraten längst nicht mehr, wer hier mal das Sagen hatte. Subway seinerseits hat die Rebellen längst aus der Postleitzahlensuche auf seiner Website gelöscht.

Der Spagat besteht für Mr. Sub darin, nicht die Stammkunden zu verwirren. Die bewährte Produktpalette bleibt gleich und alle Namen, so sie nicht unter markenrechtlichem Schutz stehen, ebenfalls. Zum Beispiel gibt es nach wie vor das Rabattangebot „Sub des Tages“.

Wie früher: Subway-Restaurant in Weimar.

Keine Kritik also am Konzept. Im Gegenteil, es wird praktisch eins zu eins fortgeführt. Kann man da von „Nachmachen“ sprechen, wenn es eigentlich nur „Weitermachen“ ist?

Es sind die als mangelhaft empfundene Unterstützung und die engen Vorgaben, die einige Subway-Franchisenehmer unzufrieden machen. Aufgrund wiederholt schlecht ausgefallener Umfragen unter ihnen hat es Subway bisher nicht zum Vollmitglied des Deutschen Franchise-Verbands gebracht, einer Branchenvereinigung mit rund 285 Mitgliedern. Dazu kamen noch rückläufige Umsätze im letzten Jahr, die bei einigen badischen Betreibern offenbar das Fass zum Überlaufen brachten.

Die Frage ist, wer eigentlich mehr zu befürchten hat – Subway schlechte Presse und ein Um-sich-Greifen des Revolutionsgedankens wie in der arabischen Welt? Oder Mr. Sub die juristischen Schritte eines übermächtigen Unternehmens? Vielleicht wird es sich ganz einfach an der Ladentheke entscheiden. Die Kunden werden darüber abstimmen, ob sie dem Inhalt treuer sind als der Verpackung oder ob ihnen das eine Sub schwerer im Magen liegt als das andere.


Auch noch:

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Badische Revolution

  1. Update: Das deutsche Mr. Sub hat seit ganz Kurzem auch einen Web-Auftritt: http://www.mr-sub.de/startseite

  2. Pingback: Eine warme Mahlzeit | martinJost.eu

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