Guter Tag um Bücher zu Ende zu lesen

Freiburg • martinJost.eu

Ich möchte mich nicht wichtig machen oder irgendwas – nicht auf diesem Feld jedenfalls – aber ich bin mir ziemlich sicher, ich lese anders Bücher als die meisten von euch.

Erstens habe ich keine Geduld für Prosa. Ich lese selten Romane, sondern meistens Sachbücher. Das ist jetzt noch nichts so Besonderes, es qualifiziert mich nur vielleicht als Teil einer Geschmacksminorität.

Zweitens lese ich ungefähr hundert Bücher gleichzeitig. Das ist keine rhetorische Übertreibung, sondern eine Zahl, die der tatsächlichen Größenordnung ziemlich nahe kommen dürfte.

Ich habe meistens nicht genug Geduld um nur ein Buch zu einer Zeit zu lesen. Ein Buch zu lesen braucht mehrere Tage bis Wochen in kleinen Häppchen. Wer interessiert sich schon so lange für nur eine Sache? Irgendwann kommen andere Bücher dazu oder kommen dazwischen und dann lese ich erst mal diese. Ist doch klar. Mein Akut-Lesestapel (aus Büchern, die ich wenigstens alle paar Wochen einmal aufschlage) ist – lasst mich zählen – ist gerade 26 Bücher hoch. Nachdem ich am Wochenende schon ausgemistet habe, weil er drohte, umzufallen. Bücher, bei denen ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich sie in unmittelbarer Zukunft weiterlesen wollen würde, habe ich zurück ins Regal gestellt.

Ich habe mir vor einiger Zeit mal die Mühe gemacht, alle Bücher, die ich gerade lese, in eigenen Regalfächern zu sammeln. Bücher, die ich gerade lese, definieren sich als Bücher, die ich mal angefangen habe zu lesen. Ich schließe aus, dass ich sie noch einmal von vorne beginne. Irgendwann lese ich sie weiter. Und irgendwann lese ich sie zu Ende. Oft viele Jahre später.

In den Regalfächern mit Büchern, die ich gerade lese, standen vielleicht so gute 60 Bände beieinander. Es sind noch einige hinzu gekommen.

Ich lese aber nach wie vor Bücher zu Ende. Ich versuche ständig zu lesen. Ich will mehr lesen. Das gehört in der Gesellschaft, die mich sozialisiert hat, zu den guten Vorsätzen. „Ich will nächstes Jahr wieder mehr DVDs kucken“, sagt an Silvester niemand laut. Diese Zwei-Klassen-Literatur, die Filme zu Junk Food und Bücher zu Vollkorn macht, erschließt sich mir nicht. Aber Bücher sind gut, darin sind wir uns einig. Ich komme nicht so viel zum Lesen, wie ich gerne möchte.

Ich habe dieses Jahr bisher 24 Bücher gelesen. Hörbücher und irrsinnig dünne Bücher und Graphic Novels mitgezählt. Meilenstein bleibt das Jahr 2001 mit rund 60 gelesenen Büchern. Das eine stimmt: So viel Zeit wie neben der Schule hat man später nicht mehr.

Die Bücher, die ich im Kalenderjahr zu Ende lese, habe ich selten im selben Jahr begonnen. Deswegen verachte ich Bibliotheken: Keine noch so oft verlängerte Leihfrist erlaubt mir, in meinem Tempo bis zum Ende zu lesen. Wer mir ein Buch leihen will, den kann ich nur warnen, dass es in guten Händen ist, aber das auf Jahre hinaus.

Am Sonntag habe ich etwas sehr Befriedigendes getan: Ich habe mir aus meinem Lesestapel Bücher gesucht, die schon fast zu Ende sind. Wo sich nur noch ein schmaler Streifen Papier zwischen Daumen und Zeigefinger reiben lässt. So habe ich vier Bücher, die ich schon länger lese, endlich zugeschlagen und ein besonders dünnes beendet, das ich erst wenige Tage zuvor angefangen hatte:


Auch noch:

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter 06 Martin Josts Kulturkonsum, Martin liest

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