Hoppel der kleine Osterhase

Ostern 1995

Weimar

Ein kleiner Osterhase schläft früh gern lange aus. So auch Hoppel, ein kleiner Thüringer Osterhase. Er lebte mit seiner Familie in einem kleinen Hasendorf an der Ilm, einem alten, bescheidenen Flüsschen.

Hoppels großer Traum war es, einmal mit seinem Papa, Fritz Sprungbein, in die große Osterhasenwerkstatt hinter dem Hügel kommen zu dürfen. Doch dafür war er noch zu klein.

Aber zurück zu dem Morgen, an dem er wieder einmal nicht aufstehen wollte. Es war ein schöner, sonniger Tag genau eine Woche vor Ostern. Seine Mami Häsline stand vor Hoppels Bett und sagte: „Steh endlich auf! Du musst in die Schule! Und Papa kann dich nicht hin bringen. Er muss jeden Moment in die Osterwerkstatt.“

Da fiel Hoppel ein, dass der Lehrer heute in der Hasenheimatkundestunde ausnahmsweise mal von der großen Werkstatt erzählen wollte, weil die Schüler so artig waren.

Ach so, ich muss euch ja noch erzählen, was Hasenheimatkunde ist. Dann erzähle ich auch gleich von den anderen Hasenschulfächern. Zum Beispiel, was hinter Pflanzenkunde steckt, könnt ihr euch ja sicher denken. Aber Berufseinsteigerhilfe ist schon schwieriger. Da lernen die Hasen, was sie später in der Osterwerkstatt wissen müssen. Zum Beispiel Ostereier bemalen und die Techniken dazu.

Im Fach Hasenheimatkunde lernen sie, was der Hase mit Eiern zu schaffen hat, obwohl er nicht mal welche legt. Und im Sicherheitsunterricht lernen die Hasen ihre Feinde wie Fuchs und Wolf kennen und wie man sich vor ihnen schützt.

Was erzählt heute eigentlich der Hasenheimatkunde-Lehrer über die große Werkstatt? Die Kinder sind von der ungenauen Zeichnung, die er an die Tafel kritzelt, und von der kurzen Rede etwas enttäuscht. Da beschließen drei von ihnen in der großen Pause, sich das Ganze einfach selbst anzusehen – Hoppel, Benno und Michel.

Da kommt das Häschen Pauline an und will auch unbedingt mit. Aber die anderen möchten das lieber nicht. Als Pauline droht, andernfalls dem strengen Lehrer Lampe alles zu erzählen, geben sie nach.

Als die Schule aus ist, treffen sich die vier in dem kleinen Wäldchen am Bach. Sie haben heute keine Hasaufgaben auf. An solchen Tagen muss Hoppel nicht sofort nach Hause. Die anderen sowieso nicht.

Sie klettern auf den kleinen Hügel hinter dem Dorf. Doch an eines haben sie nicht gedacht: Wenn sie da oben stehen, können sie von unten wunderbar gesehen werden. Doch als ihnen das klar wird, ist es schon zu spät. Hoppels Vater hat sie entdeckt.

Doch er schimpft überhaupt nicht. Das wundert alle. Er freut sich sogar, dass die jungen Häschen so interessiert sind. Er sagt: „Wenn es euch so interessiert, dass man euch nicht mehr aufhalten kann, zeig’ ich euch eben alles. Es ist ja nicht so schlimm. Aber seid sehr vorsichtig!“

Er erklärt, dass die Hasenarbeiter in fünf Berufe eingeteilt sind. Die erste Gruppe sammelt bei den Hühnern auf den Bauernhöfen Ostereier und kocht sie. Die zweite Gruppe sammelt von den Blumen die Farben ein. Die dritte Gruppe bemalt dann die Ostereier. Die vierte überprüft, ob mit den Ostereiern alles in Ordnung war und die fünfte Gruppe schließlich versteckt sie bei den Kindern zu Hause. Hoppels Vater arbeitete in der vierten Gruppe.

Als der Rundgang beendet war, wurde es schon dunkel. Hoppels Mutter machte sich schon große Sorgen, weil ihr Sohn so spät nach Hause kam. Aber Hoppel und die anderen Hasen waren sehr stolz auf ihr kleines Abenteuer.

Am nächsten Morgen besuchte die Schulklasse einen Hühnerstall um zu fragen, wie man Eier legt. Darüber wussten Hoppel, Benno, Michel und Pauline nichts. Aber über die große Osterwerkstatt wussten sie mehr als Meister Lampe.


Frohe Ostern!

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Eingeordnet unter 04 Groschenromane (DO), 07 Sonntags, Blog-Exklusiv

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