Martins Wörterbuch: Bummisand

Búm|mi|sánd, der: seltener Sand, der sich nur unter hohem Aufwand aus einer Mine, die bis tief in die Sandkiste reicht, fördern lässt. B~ ist hellgelb oder goldfarben bis blond und feucht. Als Verzierung von Sandburgen fällt er weniger auf, nachdem er an der Luft getrocknet ist und stark an Leuchtkraft verliert, sich aber immer noch farblich vom grauen →Oben-Sand abhebt.

Bummisand hat mich in einem Kindergarten im real existierenden Sozialismus das kapitalistische Prinzip von Knappheit der Rohstoffe und Überlegeneheit der Förderer mit der besten Infrastruktur gelehrt. Ich war einer von denen, die Bummisand fördern konnten, weil ich lange Arme hatte. Es hieß, an einer glatten Stelle in der Sandkiste ein langes senkrechtes Loch zu graben und an der letzten Schicht Sand unter dem Sandkistensand zu kratzen um an den goldgelben Bummisand zu kommen. Bummisand war so selten und wertvoll, dass die Sandburgen-Bauer, die sich welchen erbaten, ihn nur in einer ganz dünnen Schicht zum Verzieren ihrer Sandburgspitze einsetzten.

Etymologisch heißt Bummisand am ehesten nach dem gelben Teddybär Bummi, der Held und Maskottchen der gleichnamigen Kinderzeitschrift ist. Im Kindergarten hatten alle Kinder ein «Bummi»-Abo. Die Hefte wurden in den Kindergarten geliefert und noch bevor sie ausgeteilt wurden machte sich eine Kindergärtnerin daran, die »Klitzekleinen Märchenbüchlein« zu tackern. Das »Klitzekleine Märchenbuch« war ein Blatt in der Mitte des Heftes, das in drei kleine Bogen unterteilt war. Diese schnitt man auseinander, faltete sie in der Mitte und legte sie ineinander, so dass ein zwölfseitiges Büchlein mit einer Bildergeschichte ca. im Format ein Sechstel DIN-A5 entstand. Wenn die Kindergärtnerin alle ausgeschnittenen Büchlein getackert hatte, las sie die Geschichte vor. Ich hatte einen Stapel mit den Bildergeschichten zu Hause. Wenn ich mal eins finden sollte, zeige ich es euch.


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