Facebook will mich erpressen

Screenshot 01Facebook will unbedingt, dass Nutzer es auf ihrem Smartphone via App benutzen anstatt im Browser. Die Versuche des Netzwerks, mich von der Nutzung seiner Apps zu überzeugen, sind neuerdings mehr als freundliche Nudges: Sie werden geradezu erpresserisch.
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Facebook war zuallererst eine Web-Anwendung und funktioniert nach wie vor als Internetseite. Warum sollte ich mir da die Facebook-App installieren, die bloß wertvollen Speicher verbraucht? Ich kann Facebook sehr gut im Browser benutzen (in meinem Fall: Firefox für Android).

Oder konnte. Seit gut zwei Wochen kann ich auf meinem Smartphone keine Facebook-Direktnachrichten mehr lesen. Wenn ich den Button anklicke, der mich zu meinen neuen Nachrichten führen soll, passiert nur noch eins: Die Anwendung Google Play Store startet und zeigt mir die App Messenger.

Messenger ist ein Direktnachrichten-Produkt von Facebook. Mit der App kann man auf seine Facebook-Direktnachrichten oder Chats zugreifen – ohne das ganze Drumrum aus Newsfeed und Timeline.

Schreibt mir lieber wieder E-Mails

Screenshot_2016-08-28-12-31-00Messenger ist vergleichbar mit Whatsapp, wurde aber entwickelt, bevor Facebook sich Whatsapp angeeignet hatte. Im Moment betreibt der Konzern beide Apps als Zwillinge. Wäre komisch, wenn Facebook nicht darauf hinarbeitet, Whatsapp und Messenger zu konsolidieren und die Nutzerinnen und Nutzer beider Dienste zusammenzuführen.

Es gibt mindestens sechs verschiedene Facebook-Apps im Play Store: Eine zum Facebook benutzen, Messenger zum Direktnachrichten schreiben, Facebook Mentions, für Firmen Facebook at Work, den Seitenmanager für Page-Admins sowie Facebook Groups. Mutmaßlich kann ich Direktnachrichten auch mit der allgemeinen Facebook-App benutzen. Ich werde mir die Facebook-App aber genau so wenig installieren wie Messenger. Der Grund:

Alle Berechtigungen, die die Facebook-App verlangt (Montage aus zwei Screens).

Alle Berechtigungen, die die Facebook-App verlangt (Montage aus zwei Screens).

Die verbleibende Möglichkeit, auf dem Handy Facebook-Nachrichten zu checken, ist: im mobilen Firefox das Laden der Desktop-Seite von Facebook zu erzwingen. Hier im Smartphone-Firefox zu scrollen und zu zoomen ist aber eine Zumutung. Das gleiche gilt für die Desktop-Version von Messenger: Auf dem PC kann man unter messenger.com seine persönlichen Nachrichten lesen und beantworten. In der mobilen Version wird lediglich ein Link zum App-Download angezeigt.

Wir sind nicht Facebooks Kunden

Früher konnte man sich von Facebook noch über neue Direktnachrichten per E-Mail informieren lassen. Den gesamten Nachrichtentext hat einem Facebook nach Hause geschickt. Diese Möglichkeit hat Facebook ungefähr im Januar 2014 abgeschafft (von da stammt die letzte derartige Benachrichtigung in meinem E-Mail-Postfach).

Es ist logisch, dass Facebook alles unternimmt, um seine Nutzerinnen und Nutzer auf die eigene Website bzw. ins eigene App-Ökosystem zu locken. Nur so lässt sich die nahtlose Versorgung der Nutzer mit der Werbung seiner Kunden sicherstellen und genau messen. Als Facebook-Nutzer darf ich nicht dem Irrtum erliegen, mich für einen Kunden zu halten und irgendwelche Services einzufordern, die mir abgehen.

Mutmaßlich rechnet es sich, die große Mehrheit der Nutzer in die Apps zu zwingen auf Kosten einiger Renitenter, die wie ich weniger von Facebooks Angebot nutzen (aber noch längst nicht ganz abhauen). Ich werde keine Facebook-Nachrichten im mobilen Browser mehr checken, sondern nur noch alle paar Tage abends am Desktop – letztendlich genau wie E-Mails. Wenn das so ist, kannst du mir auch gleich eine schöne, altmodische E-Mail schreiben. Braucht ja nicht handschriftlich zu sein.


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