📚Alan Weisman: «The World without Us»

Wo gerade wieder die Welt untergeht: Alan Weismans Sachbuch «The World without Us» unternimmt eine Gedankenreise auf eine Erde, von der alle Menschen auf einen Schlag verschwunden sind. Nicht durch Krieg oder eine Naturkatastrophe, sondern – nur mal angenommen! – von heute auf morgen und ohne, dass andere Lebewesen beeintrĂ€chtigt werden.

Was wĂŒrde passieren? Wie lange wĂŒrde es dauern, bis unsere HĂ€user einstĂŒrzen? Welche Tier- und Pflanzenarten wĂŒrden sich erholen? Welche wĂŒrden recht schnell aussterben ohne den Menschen? Wie lange blieben unsere DenkmĂ€ler stehen? WĂŒrde sich das Klima erholen? Und was plant die Evolution eigentlich als nĂ€chstes?

Weisman stellt diese und viel mehr Fragen, auf die wir gar nicht gekommen wĂ€ren. Die Antwortversuche von Expertinnen und Experten sind mehr oder weniger Spekulation, enthalten aber jede Menge Expertise (auch Smalltalkwissen) ĂŒber Naturgeschichte und Technik.

Wir wussten zum Beispiel nicht, dass Edelstahl kein besonders langlebiges Material ist – wenn man langfristig denkt –, wĂ€hrend alles aus Bronze und Glas noch in Hunderttausenden von Jahren erhalten sein dĂŒrfte. Oder dass den amerikanischen Kontinent frĂŒher mal genauso viele Tierarten in ÜbergrĂ¶ĂŸe bewohnt haben wie den afrikanischen: gigantische BĂ€ren, SĂ€belzahntiger und Riesenbiber. (Warum sind sie ausgestorben? Richtig, vermutlich war bereits der prĂ€historische Mensch ein ziemlicher Umwelt-Killer.)

Und worĂŒber wir uns noch keine Gedanken gemacht hatten: Selbst ein vorbildlich und vorschriftsmĂ€ĂŸig heruntergefahrenes Atomkraftwerk, erst recht eines mit einem ĂŒbervollen Zwischenlager fĂŒr Altbrennstoffe nebenan, wird frĂŒher oder spĂ€ter das große GlĂŒhen anfangen und in nukleare Flammen aufgehen, wenn niemand aktiv fĂŒr KĂŒhlung sorgt. Wir Menschen haben Sorge getragen, dass es auf diesem Planeten auch ohne uns noch lange richtig ungenießbar bleibt.

«The World without Us» fĂŒhrt im Reportagestil mit vielen szenischen Passagen um die Welt. Weisman hat Naturwissenschaftler und Ingenieurinnen ausgefragt, damit sie nach bestem Wissen und Gewissen spekulieren, wie eine Welt ohne Menschen sich entwickeln wĂŒrde. Manche Exptert*innen haben es leichter, weil sie ohnehin Tag fĂŒr Tag daran arbeiten, genau diese Folgen zu verhindern: Die New Yorker Metro beispielsweise stĂŒnde innerhalb weniger Tage komplett unter Wasser, wenn die Pumpen ausfallen. Nicht leicht zu finden waren fĂŒr Weisman Orte, an denen die Natur bereits heute fĂŒr lĂ€ngere Zeit ungestört war: Den Rahmen fĂŒr seine Recherche bildet ein Besuch im polnisch-weißrussischen BiaƂowieĆŒa-Urwald, wo sich zeigt: Je lĂ€nger ein Wald seine Ruhe hat, desto unerwarteter entwickelt er sich und desto komplexer und reicher wird sein Ökosystem.

Vieles, was auf einer menschenleeren Erde passieren wĂŒrde, wĂ€re furchteinflĂ¶ĂŸend. Andererseits: Gibt es Furcht auf einem Planeten, auf dem niemand mehr ist, der sich fĂŒrchten könnte? Das paradoxe GefĂŒhl, das «The World without Us» bei uns hinterlĂ€sst, ist eine besondere Misanthropie: Die Erde ohne Menschen kann eine romantische, idyllische Vorstellung sein. Wenn wir das noch erleben dĂŒrften 



Alan Weisman
The World without Us (2008)

Die Welt ohne uns (2009)
Piper Taschenbuch
400 Seiten
12,00 €

Bewertung: 4 von 5.

Diese Buchbesprechung habe ich zuerst auf goodreads.com gepostet.

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