ZurĂŒck in die Zukunft: Martin twittert live zu Folge 1 von đŸŽžïžÂ«Achtung: Streng geheim!»

So, nachdem ihr euch nicht erinnern könnt oder erinnern wollt, gucke ich jetzt die erste Folge #AchtungStrengGeheim fĂŒr euch und sage bescheid, obs was taugt 
 es ist nĂ€mlich bei mir schon laaaaaaaaange her. #AlphaCentauri (Original-Twitter-Thread hier.)

Ich kann nur raten, dass ich zuletzt mit ungefÀhr zwölf Jahren eine Folge gesehen habe. Im linearen Fernsehen! Ich erinnere mich an fast nichts. (Denn ich bin Àlter als zwölf.)

Eine menschenleere Farm in Australien. Aus einem Wassertrog taucht auf einmal ein Periskop auf (spacige Elektromotor-Soundeffekte).
Schnitt: Am Okular des Sehrohrs eine junge Frau. Eine mechanische Stimme ermahnt sie, dass ihr Unterricht noch nicht vorbei ist.

Sie sitzt in einer ZIEMLICH ABGEFAHRENEN unterirdischen Kommandozentrale mit flimmernden Computermonitoren und einem gigantischen Hauptbildschirm. Ein sprechender Computer mit Kamera-Auge macht mit ihr Mathe-Hausaufgaben. Sie ist mittelmĂ€ĂŸig motiviert.

JETZT FÄLLT IHR EINE TÜTE M&Ms AUF IHRE TASTATUR! Nicht nur blitzen unmittelbar Funken und Rauch aus dem Keyboard, es drehen auch alle Bildschirme in der Kommandozentrale durch und flackern wie verrĂŒckt.

Eine ZwölfjÀhrige erfindet aus Versehen das Internet

In der unterirdischen Kommandozentrale stehen die Computerkonsolen kreisförmig auf einem runden Podest, beleuchtet von einer Deckenlampe wie im “War Room” in «Dr. Strangelove».

Bei den Computerterminals denke ich sofort „Achtziger!“ Sie haben dunkelgraue Tastaturen, die wie das evolutionĂ€re Bindeglied zur Schreibmaschine aussehen. Fette Diskettenlaufwerke. Aber der Supercomputer hat offensichtlich kĂŒnstliche Intelligenz und Sprachsteuerung!

Als die M&Ms ĂŒber die Tastatur gerollt sind, haben sie natĂŒrlich betrĂ€chtlichen Schaden angerichet. Alle Lichter flackern. Und sogar der Wetterhahn auf dem Dach spielt verrrĂŒckt! Die Frau DREHT geistesgegenwĂ€rtig an Reglern, stöpselt Steckverbindungen um: “What have I done?”

Der Wetterhahn dreht sich immer schneller, fĂ€ngt rot zu glĂŒhen an und ein grĂŒner LASERSTRAHL entlĂ€dt sich aus ihm! Der Laser schlĂ€gt in einen Satelliten im Erdorbit ein! Der Satellit berappelt sich kurz und revanchiert sich dann am Eiffelturm (Bildtitel: „PARIS, Frankreich“).

Zweieinhalb Minuten und ich bin GEFESSELT

Der Eiffelturm hat Stromausfall. Aus seiner Spitze schießt der grĂŒne Laserstrahl weiter und schlĂ€gt in den Giebel eines herrschaftlichen Hauses ein.

Eine arglose Pariser SchĂŒlerin sitzt an ihrem Laptop und studiert die Anatomie von Fischen. Dann flackert ihr Display und auf einmal hat sie die Australierin in einer Videokonferenz! (Dabei sieht ihr Laptop nicht mal so aus, als hĂ€tte er ein Farbdisplay.)

(Stereotyper französischer Akzent:) “What are you doing in my computer??????”

Videocalls, besser als heutzutage

Die australische SchĂŒlerin ihrerseits beendet die Verbindung mit gezieltem Klack-Klack-Klack auf ihrer Tastatur. Dann bespricht sie sich mit ihrem Computer, der sich scheinbar wieder gefangen hat.

Eine Verbindung nach Paris, Frankreich? “Am I in big trouble?” Computer kann ihr erklĂ€ren, dass sie aus Versehen einen inaktiven Kommunikationssatelliten namens #BSV14 ĂŒbernommen hat.

Es gibt 162 weitere deaktivierte Satelliten im Orbit, weiß Computer. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es niemanden kĂŒmmert, wenn SchĂŒlerin sich in die Schrottsatelliten hackt? “Probabilty: Ninety-six percent.”

Kann sie den Unfall reproduzieren? Computer sagt: Jederzeit, solange der Satellit auf den Stern #AlphaCentauri ausgerichtet bleibt.

SchĂŒlerin: Okay. Sie tippt kurze Befehle in ihre Tastatur und jedes Mal meldet sich ein neues Kind von einem anderen Ort der Welt.
Der Typ aus Hamburg trÀgt eine Jacke und steht IM FREIEN. (Die Serie ist © 1990. Damals gab es keine Computer im Freien!)

Durch den Unfall mit den M&Ms hat sie aus Versehen Super-Zoom erfunden!

Vorspann! Ich bin mit den Nerven fertig.

Mal kurz nicht fragen, ob das realistisch ist!

Aha. Laut Wikipedia hatte «Achtung: Streng geheim!» («Mission Top Secret») zwei Staffeln – ursprĂŒnglich mit je sechs Folgen Ă  85 min! FĂŒr spĂ€tere Ausstrahlungen hat man sie in 24 Episoden Ă  25 Minuten aufgeteilt. In dieser Form finden sie sich auf meiner DVD.

Es gibt einen Pilotfilm, der aber nicht wiederholt wurde und der nicht auf der DVD enthalten ist. In dem Pilotfilm entdeckt ein Spanier beim Wandern in Australien zufÀllig die geheime unterirdische Computer-Kommandozentrale. https://de.wikipedia.org/wiki/Achtung:_Streng_geheim!

Fernsehen hat sich frĂŒher ganz schön auf unsere “Suspension of Disbelief” verlassen. Wir mĂŒssen schon sehr großzĂŒgig darĂŒber hinwegsehen, wie unwahrscheinlich die PrĂ€missen dieser Serie sind, damit wir die Geschichte glauben. – Sage ich so herablassend im RĂŒckblick 


Zu der Zeit, als die Serie erschien, hatten aber wenige Privatleute Kontakt mit Computern. (Die Autoren der Serie möglicherweise auch nicht.) Der Rest ist Science-Fiction: Eine Technologie, die in der Zukunft möglich werden könnte.

In der Grundschule fand ich es sehr unfair, dass Marco W. einen Computer zu Hause hatte. Konnte er seine Schulhefte nicht einfach in das Laufwerk stecken, dem Computer befehlen, seine Matheaufgaben zu lösen und sie dann in Marcos Handschrift in das Heft zu drucken????

Als ich die Serie im Fernsehen sah (ich erinnere mich, dass ich mindestens einmal die erste Folge mit der Origin Story gesehen habe), musste ich nicht meinen Unglauben ĂŒberwinden. Im Gegenteil hat «Mission Top Secret» eher vorgegeben, was ich Computern zugetraut habe.

Ich wusste, dass Computer sich nicht wie in Science-Fiction-Serien mit Sprache steuern lassen. Aber ich habe mir vorgestellt, dass Leute, die am Computer sitzen, per Tastatur und Bildschirmausgabe schon irgendwie mit ihnen reden mĂŒssen.

Weiter geht’s mit Folge 1.

Ein Kinderheim in Sydney. Ein sehr suspekter Typ steigt aus einem Van und fotografiert ein 12- oder 13-jĂ€hriges MĂ€dchen und einen kleinen Jungen von außerhalb mit einem sehr großen Tele-Objektiv 😬

Schnitt: Ein Hochhaus mit Glasfassade. In einem hypermodernen Besprechungsraum guckt sich ein aalglatter Typ die Fotos von den beiden Kindern an. (Er tippt auf einen Organizer mit Dot-Matrix-Display und ruft so die Bilder auf einem Apple-Monitor auf!!!)

Er kennt die beiden Kinder mit Namen: Victoria und Albert Wiggins und gibt den Befehl, sie auszuspionieren 😬😬😬

Wer sind Victoria und Albert?

Albert fĂŒhlt sich nicht besonders wohl in dem Kinderheim. (Er ist ungefĂ€hr acht oder zehn Jahre alt und bis jetzt der BESTE Schauspieler in der Serie! Kein Overacting, gutes Timing.
Darsteller Andrew Shephard scheint danach nicht mehr als Schauspieler gearbeitet zu haben.)

(Im DVD-Bild erkenne ich Artefakte (horizontale Wackelzeilen) vom MAZ-Band.)

Victoria und Albert sind Waisen. Ihr einziger Verwandter ist ein Onkel, den aber niemand erreicht.

Was die beiden nicht an Exposition erledigen, erzĂ€hlt uns der schleimige GeschĂ€ftsmann ĂŒber sie, der Spione auf sie angesetzt hat und sich neue Fotos von ihnen ansieht.

Der Anzugtyp schickt Raven, seine Assistentin im roten Ledermantel, los. Sie soll in das Haus von Victoria & Alberts toten Eltern einbrechen und etwas stehlen.

Den Wachmann wird sie mit einem Telefonanruf los. Auch die Alarmanlage ist fĂŒr sie ein Klacks.

Also der Anzugtyp heißt Mr. Savage. Er hat es auf Unterlagen von Victoria & Alberts Vater abgesehen, der fĂŒr die IAF (International Aerospace Foundation) gearbeitet hat.

Savage hat Shir-Khan-in-«KĂ€ptn’-Balu»-Vibes.

Mehr Exposition von Mr. Savage: Victoria & Alberts Vater George Wiggins war Wissenschaftler und hat ein Computerprogramm geschrieben, das alle Geheimnisse der weltweiten Telekommunikation enthÀlt! (#5G einself!)

Das Programm hat Savage schon! Er braucht bloß noch das Passwort. Er glaubt, dass Wiggins’ Kinder vielleicht gesehen haben, wie ihr Vater es eingegeben hat. Savage: “I have to get my hands on them!” 😬😬😬😬😬😬

Ein Mitinsasse des Kinderheims verrÀt Victoria & Albert, was er erfahren hat: Sie sollen getrennt und in verschiedene Pflegefamilien vermittelt werden.
Albert: “They can’t do that!”
Victoria: “They’re adults. They can do anything.”

Savage wĂ€ssert derweil seinen Kaktus mit einer Mini-Spritzflasche. WĂ€hrend eines Spaziergangs an seinem absurd langen Glastisch (an dem sonst keine StĂŒhle stehen,) erlĂ€utert er Raven seinen Plan: Er will Victoria & Albert am hellichten Tage kidnappen!

“Isn’t grabbing the kids in bright daylight a bit risky?”
“Crime is always risky. That’s half the fun.”

Schnitt: Wir sehen Jemma wieder, die bei einem SĂŒĂŸigkeiten-Unfall aus Versehen ein Videokonferenz-Netzwerk aus alten Satelliten aufgebaut hat. Ihr fĂ€llt ein, mit dem sprechenden Computer nach Victoria und Albert Wiggins zu suchen.

Jemma hat aktuelle Fotos von Victoria & Albert auf Diskette, aber keine Ahnung, wo sie sind.

Marie aus Frankreich ruft via Satellit an, aber Jemma hat gerade keine Zeit fĂŒr sie 


Victoria, Albert und ihr Mitinsasse Spike schmieden einen Plan zur Flucht aus dem Kinderheim. Gleichzeitig lĂ€uft Savages Plan, sie zu entfĂŒhren.

Savage vetreibt Raven und sich die Zeit, indem er ihr am Computer Fotos von seiner Kunstsammlung zeigt.

Savage besitzt unter anderem das Original von van Goghs Sonnenblumen. Als nĂ€chstes wĂŒrde er gern die englischen Kronjuwelen an sich bringen.

Savages Leute ĂŒbertragen ihm einen Videofeed. Er kann live am Computer zusehen, wie sie es verkacken und die Wiggins-Kinder entkommen.

Cliffhanger! Abspann!

Die erste Staffel von «Achtung: Streng geheim!»/«Mission Top Secret» in der 24x25min-Version gibt es auf DVD.

Die Folgen finden sich zum Teil auch komplett auf Youtube:

Dieser Text erschien zuerst als Thread auf meinem Twitterkanal (@martinjost) on 19. February 2021. Ich habe ihn leicht redaktionell verÀndert.


Der Woche (6)

Nochmal Nasen, die aus Masken schauen. Und ein fĂŒnf Jahre alter Satz, der wieder passt. Weiterlesen

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