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Freiburg ist auch schlimm

Martin Nuschs Reiseführer-Parodie macht 88 deutsche Städte nieder. Auch Freiburg hat seinen eigenen Eintrag. – Gute Idee, wäre aber lustiger gegangen.

Buchcover vor Dauerbaustelle Münster

Martin Nusch • «Der Abreiseführer» • erscheint am 25. April • Carlsen-Verlag 2011 • 192 Seiten, 12,90 €

Freiburg • von fudder.de


Es gibt so Bücher, die hat man noch nie aus dem Regal gezogen seit man sie zu irgend einer Geburtstags-/Abschieds-/Einweihungs-Party geschenkt bekam, bei der ein Gutteil der Abendunterhaltung aus stoßweisem Vortrag von Highlights aus diesem total witzigen Buch bestand. Ohne heitere Meute, Wein und Rosinenpickerei ist das Buch nämlich doch nicht lustig, hat sich herausgestellt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 03 Martins Meinung (MI), 06 Martin Josts Kulturkonsum, 14 Fudder, Martin liest, Wie Freiburg bist du?

Wie weh Menschen Menschen tun können

Martin kuckt «Das weiße Band»

«Das weiße Band» spielt in einem Dorf 1917/18, in alten Häusern, zum Teil in engen niedrigen Katen, die eher Höhlen ähneln als Wohnungen. Die Sets sind ganz in klarem, glattem Schwarzweiß ohne grobe Körnung gefilmt. In einer Zeit, wo Schwarzweiß keine technische Konvention ist, sondern eine Entscheidung, wirkt es prätentiös künstlerisch und betont intellektuell. Michael Haneke nennt in einem Interview mit Jeff Goldsmith (hörbar im Creative Screenwriting Podcast) zwei Gründe für seine Entscheidung, in Schwarzweiß zu filmen: Erstens erleichtere es dem Publikum den Zugang zu einer Zeit, die es zwar von Fotos, aber auch nur ohne Farben kennt und zweitens entfremde es moderne Zuschauer von der Erzählung. Die Erzählung des alten Lehrers dürfe nicht für bare Münze genommen werden, immerhin sagt er selbst eingangs, dass er sich keineswegs an alles richtig erinnern muss. Ingmar Bergmans Weg war in «Fanny und Alexander», einem visuell vergleichbaren Kostümfilm, Szenerien in fahlen Farben naturalistisch zu filmen.

Wir haben also doch ganz gute Schauspieler auf Deutsch, wenn sie ein Drehbuch bekommen, das ihnen erlaubt natürlich zu sprechen (nicht wie in «Tatort») und mit der nötigen Zeit zu spielen.

Michael Hanekes «Das weiße Band» ist ein Stillleben über ein deutsches Dorf 1917 und 1918, in dem die Kindheit unter der Autorität der Alten schmerzt und wo Arbeit noch hart ist. Ein paar Verbrechen finden statt, Menschen werden verletzt und jeder ist mit seinen eigenen Geheimnissen so sehr beschäftigt, dass er nicht mal daran denken kann, sich für die der anderen zu interessieren. Im Voice-Over erzählt uns der ehemalige Dorflehrer von den Ereignissen um die Zeit seiner Verlobung.

Der Erzähler formuliert explizit die Agenda, verständlich machen zu wollen, warum gewisse Gräuel von den Menschen in diesem Land verübt werden konnten. Meint er damit das Heranwachsen der späteren Nazi-Generation unter dem Rohrstock der Väter? Weiterlesen

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Eingeordnet unter 06 Martin Josts Kulturkonsum, Martin kuckt

Schlaf endlich

Das «Infinite Jest»-Logbuch (7)

Mit Exkursen über Transpostmoderne, Ironisch Brechen und die perspektivische Ehe mit Pamela Anderson.

0049<|>1030. Kapitel 6. Übel riechender Nebel aufgezogen. Alltags unter Deck. Navigationsübungen absolviert. Ganztags starke Dünung. Unerwartet frühe Korrosion besorgt etwas.

Kakerlake Erdal Rex

Das habe ich mit Orin Incandenza gemeinsam: Eine Abscheu gegenüber Kakerlaken, die nur von meiner Abscheu gegenüber Leuten, die „Halli-Hallo-Hallöle“ sagen, übertroffen wird. (Also das mit den Kakerlaken. Wie das mit Orin Incandenza und Leuten ist, die „Halli-Hallo-Hallöle“ sagen, weiß ich jetzt nicht.)

Endlich gute Sprüche. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 06 Martin Josts Kulturkonsum, 11 Das Transpostmoderne Manifest, »Infinite Jest«-Logbuch, Martin liest

Von außen

Das «Infinite Jest»-Logbuch (6)

Mit einem Exkurs über erste Sätze.

0039<|>1040. Kapitel 5. Sonnig und unanständig warm. Längsseits anderer Kähne. Kaum in Kajüte. Dünung erst abends wieder stärker.

Lesezeichen in Infinite Jest

So weit ist mein Lesezeichen bislang gewandert. Noch kein Land in Sicht.

Ein Klischee sagt, ein gutes Buch könne man schon an seinem ersten Satz erkennen. Der erste Satz von «Infinite Jest» lautet: Weiterlesen

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Eingeordnet unter 06 Martin Josts Kulturkonsum, »Infinite Jest«-Logbuch, Martin liest

Telefonstimme

Das «Infinite Jest»-Logbuch (5)

Mit ohne Exkurse.

0033<|>1046. Kapitel 4. Milde Luft; klar und ohne Regen. Kleinste Etappe so weit. Kombüse serviert Scotch und Baumkuchen.dig02902

Der erste Satz von Kapitel 4 könnte einer Mein absurder Alltag-Glosse aus einer beliebigen deutschen Illustrierten entstammen: Weiterlesen

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Eingeordnet unter 06 Martin Josts Kulturkonsum, »Infinite Jest«-Logbuch, Martin liest

April, April

Das «Infinite Jest»-Logbuch (4)

Mit einem Exkurs zu Kapitelzählung

0032<|>1047. Kapitel 3. Regen + milde Luft nach feuchter Kälte. Zeitumstellung. Infekt während noch Land achtern. Kreuzen  und Familiarisierung; kurze Etappen.

Kapitelkullerchen

Maximal diffizil: Wofür stehen die Kullerchen mit Billigschatten, die manche Überschriften kennzeichen?

Hal Incandenzas Papa spielt ihm den unverhältnismäßigsten Aprilscherz ever. Alles ist immer noch zu befremdlich um bedingungslos unterhaltsam zu sein. Weiterlesen

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Eingeordnet unter 06 Martin Josts Kulturkonsum, 09 Erster April, »Infinite Jest«-Logbuch, Martin liest

Übern Wintern

Das «Infinite Jest»-Logbuch (3)

Mit Exkursen zu «Wonder Boys», Postmoderne und «Frühlings Erwachen»

0027<|>1052. Kapitel 2. Nacht dunkel; plötzliche Kühle; Schwache Böen und Regenschauer; übrige Weinseligkeit.

Was ich mal

Was ich mal wissen möchte: Woher kommt die Fixation auf das Motiv Wolken in den ganzen englischen Publikationen von und um «Infinite Jest?»

Ein Drogensüchtiger richtet sich zu Hause für Tage langen Rausch ein. Er hat an alles gedacht (das macht die Erfahrung). Alles, was noch fehlt, ist die Dealerin. Weiterlesen

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