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„Deutsche misstrauen Unternehmen, Amerikaner der Regierung“

Cyrus Farivar

Cyrus Farivar – cc: by-nc-sa

– Wirklich? Die Analyse stammt von Cyrus Farivar. Der freie Technologiejournalist und Produzent/Moderator der Sendung «Spectrum» in der Deutschen Welle ist Autor des Buches «The Internet of Elsewhere».

2011 habe ich ihn für fudder.de interviewt und unter anderem nach der unterschiedlichen Einstellung von Amerikanern und Deutschen zum Datenschutz gefragt.

Hier ein Auszug aus dem Interview mit den Fragen, die gerade rund um den weltweiten Abhörskandal aktuell werden. Das vollständige Interview liest du auf fudder.de. Weiterlesen

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Der deutsche Widerstand anno 2012

Freiburg • martinJost.eu

Passiv-aggressiver Protest

Wie ist es um die deutsche widerständige Seele bestellt? Sind wir die Musterknaben der revolutionären Geschichte, weil wir das Paradebeispiel dafür abgeben, dass man sich öfter gegen staatliche Willkür zur Wehr setzen muss? Weil wir die unblutigste Revolution der Geschichte vom Stapel gelassen haben? Weil wir Wutbürger gebären? Oder sind wir selbstgefällige Biedermeirer geworden, die sich jenseits von Online-Petitionen und alle Jubeljahre wählen gehen gut regiert, gut behandelt und in jeder Hinsicht bequem fühlen? Weiterlesen

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Freiburg ist auch schlimm

Martin Nuschs Reiseführer-Parodie macht 88 deutsche Städte nieder. Auch Freiburg hat seinen eigenen Eintrag. – Gute Idee, wäre aber lustiger gegangen.

Buchcover vor Dauerbaustelle Münster

Martin Nusch • «Der Abreiseführer» • erscheint am 25. April • Carlsen-Verlag 2011 • 192 Seiten, 12,90 €

Freiburg • von fudder.de


Es gibt so Bücher, die hat man noch nie aus dem Regal gezogen seit man sie zu irgend einer Geburtstags-/Abschieds-/Einweihungs-Party geschenkt bekam, bei der ein Gutteil der Abendunterhaltung aus stoßweisem Vortrag von Highlights aus diesem total witzigen Buch bestand. Ohne heitere Meute, Wein und Rosinenpickerei ist das Buch nämlich doch nicht lustig, hat sich herausgestellt. Weiterlesen

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Weimar und die Medien

Gedrucktes

Gedrucktes

TLZ-Aktion

Weimar und die Medien

»local village« bei »act 2000« präsentiert

◊ Von Martin Jost

Weimar. (tlz) Berufswelt Me­dien: Mit Videoproduktionen, Broschüren und Schaubildern stellte sich die Fakultät »Medien« der Bauhaus-Uni auf dem Zukunftsforum »act 2000« im mon ami vor. Weiterlesen

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Es ist alles schon da, man muss es nur sehen

Kunst-Stück des Monats

Von Paul Pretens

Pullerzimmertapetenkacheln

Harri Dünong: »Pullerzimmertapetenkacheln«. Digital bearbeitetes Foto. Freiwehr 2009. • Zum Download als Wallpaper (1584 x 990 px; optimal für Breitbild-15-Zoll-Displays) bitte auf das Bild klicken • © Alle Rechte vorbehalten

Freiwehr. (mjeu/ppt) Vor etwas über einer Woche war ich auf einem Vortrag mit dem Titel »Fire And Ice in der Rechtsmedizin«. Referate von Rechtsmedizinern sind nach meiner Erfahrung immer sowohl erhellend und unterhaltsam als auch gespickt mit guten Sprüchen. Weiterlesen

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Martin hat gewählt


Ich als Freiburger

Martin denkt ernsthaft nach.

Martin denkt ernsthaft über Politik nach.

Freiburg. (mjeu/majo) Ich denke, alle klugen Deutschen erkennt man daran, wie unzufrieden sie mit dem Ausgang der Bundestagswahl vom letzten Sonntag sind. Weiterlesen

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Wir spielen Amtskette

Gedrucktes

Gedrucktes

von Martin Jost

Ich habe ein neues Spiel im Sinn, das Moorhuhn und Stiftedrehen als Bürosport ablösen könnte. Der ganze Gleitzeitstandort Deutschland wird bald verrückt sein nach „Amtskette“.

Berliner Zeitung vom 2. September 2009

Berliner Zeitung vom 2. September 2009

Ziel von Amtskette ist, sich am Telefon ohne aufzulegen mit einer Reihe Beamter verbinden zu lassen. Zwischendurch selbst eine Nummer zu wählen ist Schmu.

Die Vorteile des Spiels liegen auf der Hand: Es ist die perfekte Verbindung von Glück und weichen Kompetenzen wie einem persistenten Charakter. Weil die Stadtverwaltungen über die Festnetz-Flat erreichbar sind, kann keine Firma was dagegen haben. Und für den Chef im Büro ist nicht zu unterscheiden, ob man dienstlich telefoniert oder bloß spielt, um seinen Freunden den neuen Rekord mailen zu können. Der einzige Nachteil des Spiels ist, dass es nur werktags bis zwölf geht.

Gewinner ist, wer die meisten Punkte hat. Einen Punkt gibt es für einen „Verwaltungsakt“, also eine Weiterverbindung zu einem Beamten oder Sachbearbeiter. Ein zweites Mal zum gleichen Menschen durchgestellt werden gibt einen halben Punkt. Das heißt „Wiedervorlage“. Verbunden werden, klingeln und von der Telefonanlage wieder zurück geprellt werden, weil der Kollege gerade im Haus unterwegs ist, gibt natürlich keinen Punkt.

Und so wird’s gemacht: Denken Sie sich eine gute Frage aus, über die es wahrscheinlich keine Durchführungsverordnung oder gar ein Gesetz gibt. Das ist die „magische Frage“. Ein Beispiel für eine sehr gute magische Frage, mit der ich selbst schon weit gekommen bin (achteinhalb Punkte), ist: „Ich möchte im Küchenfenster einen Blumenkasten anbringen. Zur Straße hin. Ist das wirklich verboten? Ich habe gehört, das dürfe man nicht wegen dieser Orkane oder wegen des Denkmalschutzes.“ Es ist eigentlich egal, wo Sie zuerst anrufen. Für die Frage wird sich niemand kompetent fühlen oder auch nur zuständig. Ihr vorauseilender Gehorsam ist niemandem verdächtig. Das Friedhofs- und Grünflächenamt wird Sie an das Amt für öffentliche Ordnung verweisen, das Amt für öffentliche Ordnung wird Sie an das Bauordnungsamt durchstellen, das Bauordnungsamt wird Sie mit der Stadtbau verbinden, aber die Stadtbaubelegschaft ist zu Tisch, also landen Sie wieder beim Bauordnungsamt und diesmal verbinden die Sie mit der Bezirkstiefbau oder mit dem Denkmalschutz.

Lassen Sie sich keine Durchwahl zum Aufschreiben durchgeben, sonst haben Sie schon verloren. Sie haben „leider gerade nichts zum Schreiben“ und rangieren außerdem nebenbei eine Lokomotive. Betonen Sie immer die Dringlichkeit Ihres Anliegens. Nein, Sie können nicht noch mal anrufen, wenn die Kollegin wieder gesund ist. Der Sommer ist ja schließlich bald vorbei und die japanischen Begonien kommen Donnerstag aus der Zoll-Quarantäne. Lassen Sie sich möglichst selten zurück verbinden, das gibt schließlich nur einen halben Punkt.

Aber vielleicht hat Ihr wiedervorgelegter Beamter ja zwischenzeitlich noch eine Idee, wer Ihnen Auskunft geben könnte? Wenn Sie einem Ansprechpartner sagen können: „Nein, mit dem habe ich vorhin schon mal telefoniert, das hat nichts gebracht, aber Sie klingen kompetent“, delegiert der so Gelobte Sie nun doppelt eifrig. Wenn Sie in einer Sackgasse aufgeschlagen sind und Ihrem Gesprächspartner wirklich keine Telefonnummer mehr einfällt, gehen Sie den Holzhammer-Ausweg und erfinden Sie eine Verordnung. Zum Beispiel die „Durchführungsverordnung zum Zivildienstgesetz über floristiknahe Tätigkeiten in kommunalen Dienststellen“ (DuZiFlotKod) von 1979 in der geänderten Fassung von 1993. Das andere Ende hat jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade ein Computerproblem und stellt Sie mal lieber zum Auszubildenden durch. Der kann wenigstens Google.

Schwierige Querverbindungen geben übrigens Extrapunkte. Wenn Sie zum Beispiel vom Grünflächenamt in die Kfz-Zulassungsstelle kommen, haben Sie sich zwei Punkte verdient. Genauso für einen Link vom Nahverkehr in die Russische Botschaft. Eine Variation des Spiels wäre, wenn Ihre Mitspieler und Sie alle die gleiche magische Frage benutzen. Was meinen Sie, was in der Rathauskantine los ist, wenn ein Haufen Leute wegen der DuZiFlotKod angerufen hat? Oder spielen Sie doch zur Abwechslung auch gegen Freunde aus anderen Städten. Da wird Ihnen ein Stück weit klar, wo es sich zu wohnen lohnt.


Dieser Artikel erschien am 2. September 2009 in der «Berliner Zeitung».


Auch noch:

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