Schlagwort-Archive: Friedrich Schiller

Friedrich Schiller contra «Bild»

Friedrich Schiller

Ludowike Simanowitz: Friedrich Schiller

Freiburg • martinJost.eu

Judith Holofernes, Frontfrau der Kapelle Wir sind Helden, war keineswegs die erste deutsche Lyrikerin, die laut und pointiert gegen die «Bild»-Zeitung wetterte. Auch der Weimarer Arzt, Schriftsteller und Lyriker Friedrich Schiller schmähte das Blatt in einem Interview:

Mir kam vor wenig Tagen, Wie? fragt mich eben nicht, vom Reich der ew’gen Plagen die Zeitung zu Gesicht. Sonst frag ich diesem Essen, wo noch kein Kopf zerbrach, dem Freikorps unsrer Pressen, wie billig, wenig nach.

Doch neulich auf Mallorca, da konnt’s nicht anders geh’n, im teutschen Sprachenraume war nur die BILD-Zeitung zu sehen. Was konnt ich andres tun, erwarb ein Exemplar, doch ach, o Graus, was sag ich, was da geschrieben war? Nur Mörder, Killer, Töter; nur Nackte, Lady Di; nur Gerhard Schwerenöter; lahme Polizei.

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Eingeordnet unter 03 Martins Meinung (MI), 04 Groschenromane (DO), 06 Martin Josts Kulturkonsum, Martin liest

Martin nimmt Michael Jackson wahr

MJKK

Martin nimmt Michael Jackson wahr

In des Herzens heilig stille Räume
Musst du fliehen aus des Lebens Drang,
Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
Und das Schöne blüht nur im Gesang.*

Michael Jacksons Tod hat ihn vor ein paar Wochen noch mal in die Charts gehievt. Ich gehöre zu den Menschen, die sich gezielt nachdem er tot war Musik von ihm gekauft haben. Weiterlesen

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Martin liest Egon Friedell


Martin Josts Kulturkonsum

Egon Friedell: »Die Kulturgeschichte der Neuzeit«*

Ideen nach-denken; mit einem Buch, das zu schwer ist zum in den Händen Halten: Ein Partylöwe überrascht die Welt mit einer witzigen Kulturgeschichte. Weiterlesen

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Martin liest eine Schillerdeutung

Friedrich Schiller hat in seiner Dissertation Sekundärliteraturbelege gefälscht. Wild, oder? In seiner zweiten Dissertation, die ihm schließlich den Titel Doktor der Medizin einbrachte und die von Möglichkeiten handelt, entzündliche von eitrigen Fiebern zu unterscheiden (»Tractatio de discrimine febrium inflammatoriarum et putridarum«), zitiert er sich selbst bzw. sein Theaterstück »Die Räuber«. Als Quelle für die Worte aus Karl Moors Mund gibt er »Life of Moor. Tragedy by Krake« an. Frech.

Peter-André Alts dünne Einführung »Friedrich Schiller« aus der Reihe Beck Wissen macht auf den ersten Blick den Eindruck, sie sei just business: Schillers Werke, Schillers Erbe, Schillers Deutung. Das Buch ist keine Biografie, sondern ist nach Schaffensphasen und Werken gegliedert – flicht aber dann doch biografische Begebenheitchen und Details ein, die sich in mancher menschelnderen Biografie gar nicht finden lassen.

Außerdem hat er die Werte umgepolt, die Schillers Leben kennzeichnen: In den meisten Büchern, die ich über ihn gelesen habe, liegt der Schwerpunkt auf Niedergeschlagenheit, Kampf und Krankheit. Peter-André Alt streicht heraus, bevor er auch auf die erfolgfreien Phasen in Schillers Leben eingeht, dass der Schriftsteller durch harte Arbeit sehr wohlhabend geworden und auf dem Gipfel des Erfolgs aus dem Leben geschieden ist.

Alt hat auch eine Kafka-Biografie geschrieben, habe ich gestern im Laden gesehen.

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