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Warschauerstraße • Folge 4


Small Talk


Spät dran?
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Der narkoleptische Schutzengel war schon wieder eingeschlafen. „So einer!“, murmelte Herr Elchlepp leise vor sich hin.

Dann tat er einen Schritt aufs Fenster zu und genoss die Aussicht.

Elchlepp gross

Er hatte etwas auf dem Herzen, das er sich von der Seele reden musste. Er hatte es in seinem Kopf schon in Worte gefasst, aber es passte noch nicht richtig. Herr Elchlepp probte: „Liebe flezende Engelin! Lassen Sie uns Du sagen. Ich bin Heribert. Und Sie sind ein Engel. Ich … ich … mein Herz gehört Ihnen!“

„Was?“, fragte die flezende Engelin, die gerade mit einem Tablett voller dampfender Kaffeetassen herein kam.

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Warschauerstraße • Folge 3

Flezende Engelin Warschauerstrasse


Der Zeuge


Spät dran?
» Folge 1» Folge 2

Der flezenden Engelin kam es so vor, als würde sie noch lange nicht damit fertig werden, sich von dem schrecklichen Erlebnis zu erholen. Wenn das überhaupt möglich war, flezte sie in letzter Zeit noch mehr zu Hause herum als früher.

Flezende Engelin, narkoleptischer Engel

„Ich meine, man denkt, ich bin jetzt zu Hause, hier bin ich sicher – aber es verfolgt einen doch bis überall hin. Auch zu Hause, auch im Schlaf“, sagte sie gerade zu ihrem kleinen Bruder. Er ließ sich nicht anmerken, ob er verstand, was sie sagte. Weiterlesen

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Warschauerstraße • Folge 2

Ritter vom Feudel wird verhört


Freispruch


Dem Ritter vom Feudel war es viel zu hell im Schein der Verhörlampe, die der Fallschirmspringer direkt auf sein Gesicht gerichtet hatte.

» Folge 1 schon gelesen? Nein? Na dann aber los!

Er kam sich vor, als hätte ihn der strenge Offizier schon für den Mord am Sparschwein verurteilt und dieses Verhör sei bereits die Strafe.

Fallschirmspringer verhört Ritter vom Feudel

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Warschauerstraße • Folge 1


Ein Mord

Martin Jost


Spaziergang

Es war einmal ein schöner Herbsttag, da gingen die flezende Engelin und der Ritter vom Feudel gemeinsam spazieren. Die beiden waren beste Freunde – jedenfalls war das ihr kleinster gemeinsamer Nenner – und mochten beide grüne Wiesen. Die flezende Engelin erzählte dem Ritter vom Feudel von einem Buch, das sie gerade las und der Ritter, der Wert darauf legte, dass ihm überkommene Rollenbilder von Männern und Frauen nichts bedeuteten, wischte ein bisschen den Boden.

Da kamen die beiden zurück in die Stadt und liefen die Warschauerstraße entlang, in der man wohnte. Plötzlich stockten ihre Schritte und ihnen beiden der Atem – sie hatten etwas Grässliches entdeckt:

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Wie weh Menschen Menschen tun können

Martin kuckt «Das weiße Band»

«Das weiße Band» spielt in einem Dorf 1917/18, in alten Häusern, zum Teil in engen niedrigen Katen, die eher Höhlen ähneln als Wohnungen. Die Sets sind ganz in klarem, glattem Schwarzweiß ohne grobe Körnung gefilmt. In einer Zeit, wo Schwarzweiß keine technische Konvention ist, sondern eine Entscheidung, wirkt es prätentiös künstlerisch und betont intellektuell. Michael Haneke nennt in einem Interview mit Jeff Goldsmith (hörbar im Creative Screenwriting Podcast) zwei Gründe für seine Entscheidung, in Schwarzweiß zu filmen: Erstens erleichtere es dem Publikum den Zugang zu einer Zeit, die es zwar von Fotos, aber auch nur ohne Farben kennt und zweitens entfremde es moderne Zuschauer von der Erzählung. Die Erzählung des alten Lehrers dürfe nicht für bare Münze genommen werden, immerhin sagt er selbst eingangs, dass er sich keineswegs an alles richtig erinnern muss. Ingmar Bergmans Weg war in «Fanny und Alexander», einem visuell vergleichbaren Kostümfilm, Szenerien in fahlen Farben naturalistisch zu filmen.

Wir haben also doch ganz gute Schauspieler auf Deutsch, wenn sie ein Drehbuch bekommen, das ihnen erlaubt natürlich zu sprechen (nicht wie in «Tatort») und mit der nötigen Zeit zu spielen.

Michael Hanekes «Das weiße Band» ist ein Stillleben über ein deutsches Dorf 1917 und 1918, in dem die Kindheit unter der Autorität der Alten schmerzt und wo Arbeit noch hart ist. Ein paar Verbrechen finden statt, Menschen werden verletzt und jeder ist mit seinen eigenen Geheimnissen so sehr beschäftigt, dass er nicht mal daran denken kann, sich für die der anderen zu interessieren. Im Voice-Over erzählt uns der ehemalige Dorflehrer von den Ereignissen um die Zeit seiner Verlobung.

Der Erzähler formuliert explizit die Agenda, verständlich machen zu wollen, warum gewisse Gräuel von den Menschen in diesem Land verübt werden konnten. Meint er damit das Heranwachsen der späteren Nazi-Generation unter dem Rohrstock der Väter? Weiterlesen

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