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Eingeordnet unter 03 Martins Meinung (MI), 11 Das Transpostmoderne Manifest, Get to the point

Martin kuckt »Cruel Intentions«

Martin Josts Kulturkonsum

Freiburg. (mjeu/majo)• »Cruel Intentions« ist eine Übertragung der Romanvorlage »Les liaisons dangereuses« (»Gefährliche Liebschaften«) in die Gegenwart. Auf Deutsch heißt er »Eiskalte Engel«, was dämlich ist. Aber der Film ist sehr cool. Der Soundtrack mit Musik von Placebo, Fatboy Slim, Blur, Counting Crows, Skunk Anansie, Aimee Mann, Faithless und Andrew Oldham Orchestra lässt allein beim Hören einen coolen Film im Kopf ablaufen.

»Cruel Intentions« ist das Erstlingswerk seines Drehbuchautors und Regisseurs Roger Kumble und 1999 waren Sarah Michelle Gellar, Ryan Phillippe und Reese Witherspoon auch noch junge Schauspieler. Sie spielen reiche New Yorker Teenager, die sich durch sexgetriebene Intrigen Ruf und Stimmung kaputt machen. Gellar und Phillippe spielen die Stiefgeschwister Catherine Merteuil und Sebastian Valmont (die Namen sind aus der Romanvorlage erhalten geblieben), die sich verschwören und gegenseitig beim Zerstören von Persönlichkeiten zur Hand gehen. Motor des Films ist eine Wette zwischen den beiden angeheirateten Geschwistern, deren Eltern im Film überhaupt keine Rolle spielen: Wenn Valmont die Tochter des neuen Internatsdirektors rumkriegt, die in einer Art »Bravo Girl« Keuschheit bis zur großen Liebe gelobt hat, darf er mit seiner Stiefschwester Merteuil schlafen. Im anderen Fall bekommt sie sein Auto. Am Ende stellt sich heraus, dass Merteuil die Stärkere ist, was intrigante Gewalt angeht. Valmont ist dafür moralischer Sieger, auch wenn er drauf geht und ihm das nicht mehr viel nützt.

Zum ersten Mal gesehen habe ich »Cruel Intentions« 2001, in einem Klassenfahrt-Bus. Im gleichen Sommer habe ich Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos’ »Liaisons dangereuses« gelesen und sehr gemocht. Es war, glaube ich, der erste Briefroman, den ich gelesen habe und ich mochte diese Form. Positiv fand ich noch die subtile Gesellschaftskritik, derzufolge die reichsten Menschen gleichzeitig die schmutzigsten Schweine sind. Sie spielen miteinander, als wären sie sich nichts wert – ein Thema vieler guter Bücher und Filme, »Basic Instinct« beispielsweise.

Ich wollte »Cruel Intentions« schon lange mal wieder sehen. Im Fernsehen habe ich es mal versucht, aber da wird er – zumindest zur Prime Time – brutal zerschnitten. Nicht, weil es auch nur eine einzige Nacktszene gäbe, aber wegen der expliziten Sprache. Ein Beispiel ist die Szene, in der Catherine Sebastian die Wette unterbreitet. Sie bietet ihm an, dass er endlich mit ihr schlafen kann – in ihrer arroganten Einbildung der einzige unerreichbare und sein größter Wunsch – und er sagt nein: So viel ist sein historischer Jaguar Roadster nicht wert. Schnitt: Valmont, wie er der Kamera entgegen läuft. In seinem Rücken sitzt Merteuil auf ihrem Bett. Sie sagt: „You can put it wherever you want.“ Er stockt und denkt noch einmal darüber nach, bevor er sich umdreht und ihr die Hand auf die Wette gibt. In der TV-Ausstrahlung, die ich mal auf Pro7 zu sehen versucht habe, fehlt ihr Spruch. Er sagt ebenfalls nein zur Wette, läuft weg und stockt unvermittelt. Ohne erkennbare Motivation macht er kehrt und willigt doch ein. Bescheuert.

»Cruel Intentions« hat zehn Jahren standgehalten, finde ich. Er hat eine klare und leicht lesbare, aber ausgefeilte Bildsprache. Alle Einstellungen begünstigen, dass man der komplexen Story folgen kann und die dynamische Stimmung der Handlung gleichzeitig nicht holpert. Die Schauspieler scheinen zu Hause zu sein in ihren boshaften Rollen und bringen pointiert ihre krassen Sprüche.

Die größte Schwäche des Films ist das Finale. Nicht das absolute Ende mit der Genugtuung gegen Catherine, sondern das Finale auf der Straße neben dem Central Park. Es versucht, die Ereignisse am Ende vom Buch eins zu eins auf den Handlungsort New York City zu übertragen und dabei muss ja noch Valmont irgendwie unnötig sterben. Schlecht, schlecht, schlecht. Hier ist ein Hollywoodfilm, dem ein Happy End besser getan hätte als sein tatsächliches.

Mir fallen Filme ein, die gut zu »Cruel Intentions« passen, vielleicht unter dem Label eines »Hormonal Turn of the Millennium«-Kanons: Baz Luhrmans »Romeo + Juliet« ist von ähnlichem visuellen Typ, »Igby goes down« hat den gleichen Blickwinkel auf New York City und seine zynische Upper Class (und in beiden spielt Claire Danes mit) und »Basic Instinct« (okay, der ist schon aus den frühen Neunzigern) zeichnet gleich gut böse Menschen, die einander als Marionetten einzuspannen versuchen.

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Eingeordnet unter 06 Martin Josts Kulturkonsum, Martin hört, Martin kuckt, Martin liest

G-Punkt finden

Lebenshilfe (Folge 2)••

Nie zu finden, wenn man ihn braucht: Der G-Punkt.

Nie zu finden, wenn man ihn braucht: Der G-Punkt.

Ist man ethisch, moralisch und sexuell noch so liberal, kann man sich zu Recht auch für noch so gebildet halten – es gibt Fragen, die wagt man sich einfach nicht offen zu stellen. Dafür gibt es uns.

Schickt uns alles, was euch wirklich bewegt – unter einer Bedingung: Wir sind die einzigen, denen ihr zutraut, es vertraulich zu behandeln und kompetent zu bearbeiten. Wir, das sind Musiknobelpreisträgerin Prof. Dr. Dr. Dipl.-MA Oberstudienrätin Angelika Frühlingsgrün und Psychopathienobelpreisträger Prof. habil. Dr. Dr. Dr. Dipl.-MA Hyperstudienrat Henry Herbstlaub, das Lebenshilfe-Team auf martinjost.eu.

»Wie kann mein Freund meinen G-Punkt finden?«,

fragt Hermeline Oswald aus der Karl-Marx-Straße 17 in Weimar. Nun, da die geschätzte Kollegin Frühlingsgrün, die eigentlich für solchen Weiberkram zuständig ist, gerade ihren dritten Doktor machen ist, versuche ich mal mein Glück mit dieser Frage. (Wozu braucht eine Frau drei Doktortitel? Kochen ist doch keine Wissenschaft.)

Also, Hermi, ich darf doch Hermi sagen?, zunächst muss man sagen, dass die Existenz jenes ominösen G-Pünktchens keineswegs bewiesen ist. Ich zum Beispiel habe meinen Lebtag noch keinen gesehen, sondern nur Gerüchte aufgeschnappt, denen zufolge er grün sein soll.

Hermi, du weißt doch sicher, wie das mit den Bienchen und den Blümchen ist. – Also, wichtig ist in erster Linie dein Blümchen, das ja, und da sind Männer und Frauen sich längst einig, meistens, selten jedoch unter ganz besonderen Umständen, die ihrer Art nach deiner vollen Beachtung und der deines Freundes bedürfen – was in einer gleichberechtigten Partnerschaft, und ich darf doch hoffentlich davon ausgehen, dass dein Freund und du eine solche führen, denn ansonsten wäre da ja etwas ganz und gar nicht in Ordnung, zumal im 21. Jahrhundert, wo ja auch die Biologie und die mit ihr einher gehenden Bereiche der medizinischen Forschung enorme Fortschritte bewerkstelligen, die keineswegs unbeachtet von der Gesellschaft bleiben können und werden, so dass man heutzutage ja glücklicherweise offen über alles sprechen kann. Außerdem solltest du deinen empfindlichen G-Punkt regelmäßig nach Knötchenbildung abtasten, nach Fäulnisreaktionen beschnuppern und mit einem Lineal auf Punktschwund hin untersuchen, nicht zu vergessen die tägliche Punkthygiene (am besten mit einer Selleriezehe).

Ich denke doch, ich konnte dir helfen, Hermi, danke nochmal für deine Frage.

Lebenshilfe (Folge 1): »Zu größeren Brüsten kommen« und die Geschichte hinter der »Lebenshilfe«-Rubrik: hier klicken!

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Eingeordnet unter 07 Sonntags, Ungedrucktes

Zu größeren Brüsten kommen

Gedrucktes: »Lebenshilfe«

Lebenshilfe-Artikel

»journal d’ami« Ausgabe 1 (Herbst/Winter 2000)

Ist man ethisch, moralisch, moralisch und sexuell noch so liberal, kann man sich zu Recht auch für noch so gebildet halten – es gibt Fragen, die wagt man sich einfach nicht offen zu stellen. Dafür gibt es uns.

Schickt uns alles, was euch wirklich bewegt – unter einer Bedingung: Wir sind die einzigen, denen ihr zutraut, es vertraulich zu behandeln und kompetent zu bearbeiten. Wir, das sind Musiknobelpreisträgerin Prof. Dr. Dr. Dipl.-MA Oberstudienrätin Angelika Frühlingsgrün und Psychopathienobelpreisträger Prof. habil. Dr. Dr. Dr. Dipl.-MA Hyperstudienrat Henry Herbstlaub, das Lebenshilfe-Team des journal d’ami. Die Frage, die wir in dieser ersten Ausgabe diskutieren, stammt von Esmeralda Espenlaub aus Weimar. Sie lautet:

Wie konnte Britney Spears durch eine Knie-OP größere Brüste bekommen? Ist dies auch in umgekehrter Form möglich?

[Angelika Frühlingsgrün:] Da ich Britney Spears persönlich kenne, muss ich sagen, dass ich sie für eine sehr begabte Persönlichkeit halte, die mit ihrer Musik die Menschheit bereichert. Denken Sie nur mal an Songs wie »Lucky«, mit denen sie uns jeden Tag ein bisschen Glück schenkt.

[Henry Herbstlaub:] Nur, weil Sie immer bekifft sind, wenn Sie Radio hören und Britney Spears Sie ein bisschen high werden lässt, heißt das nicht, dass sich ihre Präsenz nicht langfristig negativ auf unser Kulturgeschehen auswirkt.

Wie kommen Sie darauf, dass ich kiffe?

Ganz einfach: Ihre Titel lassen darauf schließen, dass Sie schon mal eine Dissertation geschrieben haben.

Das wird mir zu privat! Zurück zum Thema. Wie ging das jetzt bei der Knie-OP Ihrer Meinung nach vor sich?

Joah. Das habe ich, glaube ich, vor kurzem im »Medical Review« nachlesen dürfen. Zunächst wurde die Gelenkhaut geöffnet, Knorpelgewebe zur Seite geklappt, darunter liegende Schleimhäute gefaltet, die Gelenkgelatine ausgelassen, die gesplitterte Kniescheibe entnommen, die Krankenschwester ausgetauscht, eine hyperflexible titandrahtverstärkte Silikonkniescheibe eingesetzt und wieder zugemacht. Leider trat eine eitrige Eintzündung auf (parallel dazu wurden einige OP-Geräte als vermisst gemeldet) und die neue Kniescheibe trat ihren eitrigen Weg durch die körperinneren Lymphsysteme in die oberen Bereiche des Korpus an.

Können Sie sich vorstellen, dass so etwas eventuell in umgekehrter Form auch zu größeren Knien führen könnte?

Ganz sicher, aber wer wollte das schon und würde es nicht sofort weg operieren?

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Wir sollten das bei Gelegenheit wiederholen.

Von Steffie Zinck und Martin Jost

Weimar. (mjeu/majo)• Die erste Folge der Briefkastenberatung »Lebenshilfe« erschien 2000 in der ersten und einzigen Ausgabe des journal d’ami (siehe auch: Gedrucktes: »We all are Hunters of the Unicorn«). Es sollte eine regelmäßige Satire in dem Jugend-Kultur-Magazin des Weimarer mon ami werden. Ich habe noch eine zweite Folge vorbereitet, die aber nie irgendwo veröffentlicht wurde. Für Folge 1 schrieb ich als chauvinistischer Psychopath (im professionellen Sinne) Henry Herbstlaub, der zwar mehr Doktortitel hat als Frau Frühlingsgrün, aber dafür noch keine Professorenstelle, und meine Redaktionskollegin und gute Freundin Steffie als Angelika Frühlingsgrün. Wir haben den Text im Grunde so verfasst, wie er hier steht: Spontan, im Gespräch miteinander, abwechselnd Ideen äußernd und aufnotierend.

Famos, wieviel Zeitgeist aus diesem Text spricht. Britney Spears hatte noch ihre erste Karriere und kämpfte um ihr Image als Unschuld vom Lande. Ich erinnere mich nicht, aber scheinbar war ihr von der Presse unterstellt worden, sich während eines Klinikaufenthalts die Mammas augmentiert haben zu lassen und sie dementierte, sie habe bloß eine Knie-OP gehabt. »Lebenshilfe« versucht, die Widersprüche in Esmeraldas orientierungsloser Brust zu vereinbaren, indem es die Schwellung mit einer mobilen entzündlichen Komplikation erklärt. Logisch, oder? Ich hatte damals viel Spaß am bildlichen Ausmalen der chirurgischen Details. Diesen einen Absatz habe ich bestimmt sogar kürzen müssen.

Eine Parallele zur Zeitgeschichte blitzt auf: Letztes Jahr war da diese Frau, ich weiß nur noch, dass sie Chiara irgendwas hieß (weil ich den Namen Chiara schön finde), aber ich weiß nicht, wofür sie steht. Das Fernsehen behandelte sie wie eine Prominente. Auf jeden Fall wurde ihr unterstellt, sich die Lippen aufgespritzt zu haben und sie dementierte: sie habe sich bloß die Haare gefärbt. (Und außerdem dieses Licht hier drin, Sie sehen ja selbst…) Wie sich Geschichte doch immer wieder wiederholt.

Am Sonntag: Lebenshilfe, Folge 2 – »Hilfe! Wie kann mein Freund meinen G-Punkt finden?« Nur auf http://www.martinjost.eu.

•• Mehr Tipps für ein gutes Leben: »Martinprinzipien«

••• Mehr aus dem »journal d’ami«: We all are Hunters of the Unicorn

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Eingeordnet unter 02 Gedrucktes (DI)