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Belagerungs-Zustände

Schatten voraus

Freiburg • martinJost.eu

Pilgerwegschild grün, Sponsor

PilgerwegIch stehe fest im Glauben, dass der Mann, der den Papstjob übernimmt, einen ziemlichen Schatten haben muss. Joseph Ratzinger, vorläufig unter dem Künstler- oder Ordensnamen „Benedikt XVI.“ bekannt, wirft seinen voraus. Am kommenden Wochenende besucht er als Teil einer Europatournee Freiburg im Breisgau.

Die Zeichen mehren sich, dass der Papstbesuch für den frommen Normalverbraucher das Ausmaß einer biblischen Plage annimmt. Einige hunderttausend zigtausend Pilger sollen in die Stadt schwemmen und auf abgesperrten Straßen zum in ein Festivalgelände umgebauten Flugplatz drängen. Über die Schwierigkeiten, in der Sicherheitszone Stufe Rot zu wohnen, höre ich bislang nichts als Gerüchte. Der Papst nächtigt in einer Entfernung zu mir von 200 Meter Luftlinie. Ich werde auf jeden Fall meine Tür zusperren.

Diese Woche kamen aus dem Gefängnis meine Tickets für eine Eucharistiefeier und eine Vigil. Weiterlesen

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Wir sind keine Partei und basta

Du bist Junges Freiburg!

Junges-Freiburg-Graffiti-Logo

Ein Thema von Junges-Freiburg ist Kunst im öffentlichen Raum.

• Grundausbildung Kommunal Politik machen

Willkommen zu meinem Junges-Freiburg-Blog »Du bist Junges Freiburg!« Normalerweise halte ich euch hier mit meinem persönlichen Blickwinkel über aktuellen Themen der Freiburger Kommunalpolitik auf dem Laufenden. Hin und wieder will ich aber auch Infos zur Verfügung stellen, die die Politik durchschaubar und zugänglich machen, also Grundsätzliches in einfachen Worten formulieren.

Freiburg im Breisgau. (mjeu/majo)•• Heute zum Beispiel. Fangen wir mal beim Urschleim an: Jemand da, der noch keine Vorstellung hat, wofür Junges Freiburg steht? – Junges Freiburg ist eine Wählervereinigung in Freiburg im Breisgau, die dafür steht, dass Politik nicht mehr an Jugendlichen vorbei gemacht wird, sondern auch durch Jugendliche mit gestaltet. Nicht, indem wir Politikern E-Mails schreiben oder unseren Papis und Mamis sagen, sie sollen für uns mal mit den Politikern reden; und auch nicht, indem wir in Biergärten diskutieren und hoffen, dass es jemand hört. Nein, wir sind einfach selbst Politiker geworden. Das ist gar nicht so ätzend, wie du vielleicht denkst. Man muss sich eigentlich bloß wählen lassen.

Wie oft denn noch: Wir sind keine Partei!

Junges Freiburg ist eine Wählervereinigung. Das ist was anderes als eine Partei. Um in der Kommunalpolitik anzutreten, muss man nämlich auch überhaupt keine Partei sein. Es reicht, wenn man ein Verein ist. Deshalb hat die »Wählervereinigung Junges Freiburg« eigentlich noch ein »e.V.« für »eingetragener Verein« hinter ihrem Namen.

Vereine sind juristische Personen, das heißt vom Gesetz anerkannte Organisationen, in denen Mitglieder an einem bestimmten Ziel arbeiten und sich demokratisch vertreten lassen, damit nicht einzelne Personen die ganze Verantwortung tragen.

Wir sind nicht mehr ganz jung, aber immer frisch

Junges Freiburg gibt es schon seit 1998, aber inzwischen haben schon mehrere Generationswechsel unter den Aktiven stattgefunden. Wir wollen Jugendlichen ermöglichen, einen Einblick in Politik zu erhalten und das schöne Freiburg so zu gestalten, wie es ihnen passt. Aber ihr dürft bitte auch bei uns mitmachen, wenn ihr schon an Morgen denkt und steuern wollt, wie es der Welt geht, in der ihr mal die Erwachsenen seid.

Lust, mitzumachen?

Du kannst natürlich gern bei Junges Freiburg mitmachen. Du bist jederzeit willkommen.

Musst du einer bestimmten politischen Richtung angehören? – Nein. Bei den Themen, die wir behandeln, zählen keine abgehobenen Weltanschauungen, sondern eine Meinung zu dem Problem vor deiner Nase.

Wenn du im besten Alter für Junges Freiburg bist, ist dir mutmaßlich noch relativ unklar, ob eine der alten Parteien zu dir passt. Viele von uns haben erst bei Junges Freiburg ihre politischen Interessen entdeckt und sind hinterher zum Beispiel bei den Grünen oder bei CDU oder SPD Mitglied geworden.

Nicht haben wollen wir dich natürlich, wenn du extremistisch und undemokratisch aufgelegt bist und die Meinungen von anderen nicht gelten lassen kannst.

Brauchst du Mut um bei uns mitzumachen? Nein, du kannst unangemeldet bei uns vorbei kommen. Wir treffen uns jeden Montag – außer in den Ferien –um 18:00 Uhr im Fraktionsbüro von Junges Freiburg/Die Grünen. Das liegt im Innenhof des Neuen Rathauses. Komm einfach ein Mal oder ein paar Mal unverbindlich zur Montagssitzung. Lass dich freundlich begrüßen und probiere unseren Saft und unsere Kekse. Hör uns zu und stelle Fragen. Sag’ deine Meinung oder frag’ uns, ob wir dir bei einem Problem helfen können, das es an deiner Schule oder in deinem Stadtteil gibt.

Musst du irgendwelche Vorkenntnisse mitbringen? Natürlich nicht. Dafür kommst du ja zu Junges Freiburg: um deine junge, frische Sicht auf die Dinge mit uns zu teilen. Ohne Politikersprech. Du solltest nur jung genug sein; gehst du in die Schule oder machst eine Ausbildung bzw. studierst, darfst aber abends schon bis 20:00 Uhr weg? Dann bist du gerade im richtigen Alter.

Um rein zu finden in unsere Arbeitsweisen und die Strukturen hinter der Politik hast du bei uns alle Zeit der Welt und bei den Montagssitzungen hast du die ideale Gelegenheit. Auch dieses Blog soll dir dabei helfen. Es beschäftigt sich meistens mit brandaktuellen Themen, zumal jetzt im Wahlkampf, aber hin und wieder wird es auch Grundsätzliches erklären.

Also schau wieder rein – Online und im Rathaus!

• Nachlesen: Pressemitteilung von Junges Freiburg über die rechtliche Stellung von Parteien gegenüber Wählervereinigungen: Pressemitteilung vom 28. Juli 2008

•• Die offizielle Website von Junges Freiburg: www.junges-freiburg.de

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Was soll man denn bitte aus einem Amoklauf lernen?

Du bist Junges Freiburg

Lebensraum Schule

Thüringische Landeszeitung (TLZ) vom 29. April 2002. »Hier. Nicht in Amerika« von Thorsten Büker

Erfurt/Winnenden. (mjeu/majo)•• Mit dem Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden letzten Monat kamen für mich – wie für viele andere – Erinnerungen auf, die sich nicht nur um den Massenmord vom April 2002 in Erfurt drehten, sondern auch um die Diskussionen und Überlegungen, die in der Folge öffentlich angestellt wurden. Das Ereignis selbst war für mich in beiden Fällen mit gruseliger Nähe verbunden, denn während beider Amokläufe hielt ich mich zufällig gerade in einer Nachbarstadt auf. »Die Einschläge kommen näher«, war mein Gedanke – als wäre ein Amoklauf weniger tragisch, wenn er auf einem anderen Kontinent passiert. Weiterlesen

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Fresssack Stadt Freiburg


Die badenova geht groß einkaufen und die Wirtschaftskrise müsste eigentlich bald vorbei sein

Freiburg. (mjeu/majo)••• Die Stadt will eine Gesellschaft kaufen, die ihr was kaufen soll, das ihr schon gehört. Nee, Quatsch. Nochmal. Die badenova, die der Stadt gehört, soll ein Stück von einer Firma kaufen, die ihr was kaufen soll, dem schon ein Stück badenova gehört. Nee, nochmal. Also Töchterchen badenova kriegt Taschengeld von der Stadt um mit Geld von anderen… ach, ich fang’ anders an:

Ich finde, Anna ist ein besonders schöner Name. Ich mag A’s in Namen. Vielleicht mag ich Anna, weil ich früher gern ein Buch las, das hieß »Anna Conda« und handelte von einer Riesenschlange. Das Buch war ein sehr langes Leporello und die Schlange reichte über die gesamte Länge des Buches, inklusive der Rückseite. Man konnte in ihrem Bauch sehen, was sie schon alles gefressen hatte, unter anderem einen ansonsten sehr gesunden Elefanten. Wenn man ans Ende des ausgefalteten Buches gelangte und es umdrehte, konnte man sehen, wie Anna Condas Hunger so groß war, dass sie anfing sich selbst vom Schwanz her aufzufressen. Mit allem, was sie schon im Bauch hatte.

Worum geht es? Also es gibt da eine Holding namens Thüga. Das stand mal für »Thüringen-Gas«. Die Thüga sitzt in München, allerdings dem München in Bayern (nicht dem in Thüringen) und ihr gehören Aktienstückchen von etwa 110 Energieversorgungsunternehmen, darunter von der badenova. Die Thüga selbst gehört zur Zeit e.on. Und e.on überlegt, die Thüga zu verkaufen. Warum? Weil die Kartellbehörde findet, e.on sei zu groß. Die Stadt Freiburg überlegt, dass der regionale Energieversorger badenova, der zu großen Teilen der Stadt Freiburg gehört, sich ein Stück Thüga kaufen sollte. Darum schlägt der Oberbürgermeister am Dienstag (31. März) dem Gemeinderat vor, grundsätzlich dafür zu stimmen, dass der Gemeinderat die Stadt beauftragen soll, der badenova zu sagen, sie soll mit der Kom9 um die Thüga bieten.

Thüringen

Thüringen, das grüne Herz Deutschlands und Ursprung der Thüga. (Hier: Straußenfarm bei Tröbsdorf.)

Welcher Schlingel hat sich denn da jetzt reingeschummelt? Kom9? Kom9 ist eine Bietergemeinschaft aus Kommunen, die zusammenlegen wollen um sich die Thüga zu kaufen. Für die badenova wäre es eine Art Familienzusammenführung, weil sie sich mit Thüga-Anteilen Aktien derjenigen Holding kaufen würde, der Teile von ihr gehören.

Der Thüga-Code

Kurze Pause für ein paar Zahlen: Die Stadt Freiburg hat unter allen Kommunen, die an der badenova beteiligt sind, mit 33 Prozent den größten Anteil. Noch mehr Anteile, nämlich 47 Prozent, hat aber die Thüga an der badenova. Das ist so, weil der Thüga bereits Anteile an den sechs regionalen Stadtwerken gehörten, die 13 verschiedenen Gemeinden gehörten, als sie sich 2001 zur badenova zusammenschlossen. 13 Kolonien gründeten auch die Vereinigten Staaten von Amerika, ein vergleichsweise erfolgreiches Modell. Ob Hawaii sich perspektivisch als 50. Anteilseigner an der badenova beteiligen will, ließ das Bürgermeisteramt bislang nicht verlauten. Wofür aber steht die 9 in »Kom9«, wenn die Kom9 tatsächlich von sechs Unternehmen gebildet wurde und bald aus 39 bestehen könnte? Keine Ahnung, aber wenn man die 198 Quadratfetzen der badenova-Flagge durch 9 teilt, erhält man 22. Als ich 22 war, kam ich ins 9. Semester. Zufall?

Flagge

Dreizehn rote und weiße Streifen in der US-amerikanischen Flagge symbolisieren die 13 Gründungskolonien. 13 Städte sind an der badenova beteiligt. Zufall? Wenn man immer die Bildunterschriften liest, schweift man leicht ab. • Quelle: StarOffice® 8 Clipart Gallery

Knutschen oder Kannibalismus?

Jetzt wird es kurz mal kompliziert: Die Kom9 GbR wird mit Freiburg als Chefin zur Kom9 KG werden und eine Gruppe dreier weiterer Städte gebären, die sich »Integra« nennt und als zweite Bietergemeinschaft mit der Bietergemeinschaft Kom9 ein Bietergemeinschaftskonsortium bildet, das dann für Thüga-Aktien bietet. Physiker sprechen bei Strukturen, die auf jeder Vergrößerungsebene neue Strukturen zeigen, von Fraktalen. Die Erde ist Teil eines Sonnensystems, Sonnensysteme arrangieren sich in Sternenhaufen oder Wolken, Sternensysteme bilden Galaxien, Galaxien bilden lokale Gruppen, Gruppen bilden Galaxienhaufen bilden Superhaufen, Kom9, Integra, Konsortium, Universum. Kom9 und Integra wollen zusammen eine Aktienmehrheit an der Thüga kaufen, Kom9 unter der Geschäftsführung der badenova allein 20 Prozent oder mehr. Das Bieterverfahren wird voraussichtlich im Juni/Juli stattfinden.

Und was bringt das?

Was erhofft Freiburg sich vom Erwerb von Thüga-Anteilen? In einer sage und schreibe sieben Seiten langen Pressemitteilung (so lang waren die zuletzt in der Diskussion über den Stadtbau-Verkauf) von Mitte März lässt Oberbürgermeister Dieter Salomon ausmalen, dass die Thüga mit ihren Minderheitsbeteiligungen an regionalen Energieversorgern dafür garantiert, dass die Struktur der traditionellen kleinen Versorger vor Ort in Deutschland erhalten bleibe, zumal wenn diese regionalen Energieversorger selbst die Thüga unterhalten. Trotzdem würde die Thüga nach den Riesen e.on, RWE, En-BW und Vattenfall, die ansonsten den deutschen Energiemarkt unter sich aufteilen, der fünftgrößte Energieversorgerverbund in Deutschland werden. (Wahrscheinlich mit sehr viel Abstand.) Nur eben mit vielen kleinen Versorgungsfirmen als Eigentümer. Die Thüga ist aber nicht nur eine leere Hülle mit den Qualitäten eines Aktiendepots, sondern, so die Pressemitteilung der Stadt, sie helfe auch beim Aushandeln von Großmarktpreisen zum Beispiel für Gas, die die kleinen Versorger allein nie erreichen würden. Außerdem berät sie ihre Beteiligungen bei Rechtsfragen. Die Vorteile einer Thüga in kommunaler Hand, die das Bürgermeisteramt aufzählt, lassen sich unter dem sehr grünen Wort »Synergien« subsumieren.

PM

Viel Spaß beim Lesen: Die Stadt versucht kurz zu erklären, worum es geht (Sieben Seiten, einfacher Zeilenabstand)

Was ist böser: Schulden oder Heuschrecken?

Ganz wichtig wird aber für die Freiburger, die zu einem großen Teil gegen Heupferdle allergisch sind, das Argument sein, dass die badenova mit einer Thüga in regionalen Händen zum ersten Mal nicht mit e.on als einem der vier gigantischen Energiekonzerne verflochten wäre. Kurz: Verzahnungen und Verflechtungen an sich sind nicht schlecht, Verflechtungen mit Atomstromern und internationalen Konzernen, die vielleicht die Thüga kaufen könnten, wenn Kom9 und Integra nicht zuschlagen, und dann bei der badenova einen Fuß in der Tür hätten, sind aber doch schlecht. Ihr Engagement bei der Rettung des Kommunale-Versorger-Modells will sich die badenova maximal 100 Millionen € kosten lassen um allein 2 bis 4 Prozent der Thüga zu besitzen. Für das Konstrukt, in dem die badenova Teile der Thüga besitzt, die gleichzeitig Teile der badenova besitzt, gibt es sogar einen Fachbegriff: Schachtelbeteiligung.

Alles wird gut

Thüga-Kauf: Ich habe vergessen, ob ich dagegen oder dafür bin. Das könnte ich leichter entscheiden, wenn ich ein Stück weniger wüsste, worum es geht. Ich bin nun aber optimistischer gestimmt, was die Finanzkrise betrifft: Wenn man bedenkt, dass auf der Welt wirtschaftliche Strukturen von derartiger Komplexität in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gewachsen sind und man sie für den Bankensektor vielleicht noch mit dem Tausendfachen an Entropie multipliziert, würde es mich nicht wundern, wenn die darbenden Unternehmen demnächst merkten, dass sie zwar große Finanzlöcher haben, aber sich hintenrum durchs Knie das ganze Geld selber schulden und sich auch ihre Schulden selbst erlassen können. Alles auf Anfang. Wenn Anna Conda merkt, dass sie sich in den eigenen Schwanz gebissen hat, wird sie zwar immer noch Hunger haben, aber zumindest löst sie sich nicht auf.

Du bist Junges Freiburg! Das Blog – Wieder nächsten Mittwoch.

•• Dieser Artikel erschien vorab auf orangenfalter.wordpress.com.

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