Theater in Freiburg: Martin empfiehlt «Hamlet» und «Himbeerreich»

Als stolzer neuer Beiträger von nachtkritik.de durfte ich «Hamlet» im Theater der Immoralisten und «Das Himbeerreich» im Stadttheater besprechen. Ich kann beide Stücke wärmstens empfehlen (verschenkt doch Karten zu Weihnachten!) und ankündigen, dass ihr und das ganze Publikum euch als Teilhaber der Ereignisse auf der Bühne wiederfinden werdet.


Das Himbeerreich

Stadttheater

Showtreppe mit Perücken

Showtreppe mit liegen gebliebenen Perücken

Dokumentarfilmer Andres Veiel hat mit ehemaligen Investmentbankern gesprochen. Als sich abzeichnete, dass seine Gesprächspartner vor einer Kamera nie und nimmer so offen sprechen könnten wie im Vier-Augen-Interview, beschloss er, aus den Gesprächen einen Theatertext zu machen.

«Das Himbeerreich»

von Andres Veiel
Bearbeitung von Jarg Pataki

Nächste Vorstellungen: Heute, 18. Dezember 2013; 26. Dezember; 28. Dezember; 4. Januar 2014; 6. Februar. Jeweils 20 Uhr

→theater.freiburg.de


Der Titel «Das Himbeerreich» ist ein RAF-Zitat und steht in dem Theaterstück für den mystischen Ort, an dem sich die gescheiterten Banker befinden. Sind sie abgestürzt? Sind sie glimpflich davon gekommen? Sind sie am Ende? Sie konnten sich nicht vorstellen, dass sie selbst Opfer der Finanzkrise werden könnten – hatten doch selbst die nötigen Raubtierinstinkte besessen, um oben zu schwimmen.

Nach der Uraufführung 2012 in Stuttgart und einer Inszenierung in Kassel und Berlin ist die Freiburger Version von «Das Himbeerreich» die erste, die sich nicht ganz auf die Wirkung des Textes verlässt. Es hat sich herausgestellt, dass das Publikum von der Kaltschnäuzigkeit der Krisenmacher nicht mehr umgehauen wird. Jarg Pataki hat mit der Ü-65-Theatergruppe „Methusalems“ eine Haltung zu dem System entwickelt, das uns in eine weltweite, Menschen verachtende Finanzkrise schickte.

→ Mehr in meiner Besprechung auf nachtkritik.de


Hamlet

Theater der Immoralisten

Hamlet

Nicht nur sitzen wir in der «Hamlet»-Version der Immoralisten nah an der Bühne oder um die Bühne oder auf der Bühne – wir sitzen am selben Tisch wie der dänische Hofstaat. Eine Familie schreit sich an, während sie tafelt, und wir werden unweigerlich mit rein gezogen.

«Hamlet»

von William Shakespeare
Deutsch von August Wilhelm Schlegel

Bühnenfassung von Manuel Kreitmeier

Nächste Vorstellungen: Jeweils Donnerstag bis Sonnabend 20 Uhr – bis 21. Dezember. Wieder ab 2. Januar bis 15. Februar.

→immoralisten.de


Dann springen die Schauspieler auch noch auf den Tisch, an dem wir sitzen und streiten und schlagen und ermorden sich. Unter den Mordwerkzeugen: Revolver, Gift, Klappmesser und Plaste-Kuchengabeln.

Der Hamlet der Immoralisten ist kein unentschlossener Zögerer, sondern ein langsam zum Amokläufer vergärender Prinz, dem zu viel zugemutet wurde. Onkel hat Vater ermordet um Mutter und Thron zu besteigen und sagt dreist zu Hamlet „Mein Sohn“? Ja, geht’s noch?

→ Meine kurze Besprechung auf fudder.de
→ Meine ausführliche Besprechung auf nachtkritik.de


Auch noch:

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Eingeordnet unter 06 Martin Josts Kulturkonsum, 08 Drahtbildberichterstattung, 11 Das Transpostmoderne Manifest, Martin kuckt, Was geht in Freiburg?

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